Globalisierung als Metapher für unternehmerische Herausforderung oder als Dämon ist gegenwärtig in aller Munde. Die notwendige Diskussion über die mit ihr einhergehenden Chancen und Risiken für die Zivilgesellschaft findet hier aus der Feder eines SPD-Politikers ihre Fortsetzung. Für den von Kindsmüller prognostizierten grundlegenden Wandel der Parteienlandschaft nach den deutschen Bundestagswahlen im Herbst 1998 und eine entsprechende Änderung der Politik spricht aber wohl eher Hoffnung als begründete Erwartung. Es wird nach Ansicht des Autors in den nächsten Jahren vor allem darum gehen, "ob die Politik überhaupt noch die Fähigkeit aufbringt, gegen die immer stärker und ungehemmter wirkenden Marktkräfte die Interessen der Menschen zur Geltung zu bringen" (S.7). Die vorgestellten Grundzüge einer Reformpolitik im Übergang zum 21. Jahrhundert sind deshalb nicht nur für die SPD, sondern allgemein von Bedeutung. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die ökonomischen Bedingungen, die die Globalisierung schafft. Kindsmüller, er war von 1988 bis 1997 Landesgeschäftsführer der SPD in Schleswig-Holstein, sieht in der fortschreitenden neoliberalen Globalisierung eine große Gefahr gleichermaßen für Zivilgesellschaft und Demokratie. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das entgrenzte Finanzkapital als treibende Kraft der globalen kapitalistischen Dynamik. Die Verlierer der neoliberalen Wirtschaftsstrategie sind seiner Ansicht nach mehr denn je auf soziale Sicherungen angewiesen. Für Kindsmüller ist die Globalisierung aber keineswegs ein Naturgesetz, denn Alternativen sind möglich. Dem Markt, so der Autor, sind Grenzen zu setzen, um überhaupt eine humane Zukunft zu sichern. Wir sollten uns auch fragen, "wie wir die positiven Seiten der Globalisierung im Sinne einer humanen und gerechten Entwicklung auf unserem Planeten nutzen können" (S.9). Eckpfeiler eines "linken Globalisierungskonzepts" sind für den Autor Kooperation statt Konkurrenz, gerechte Verteilung statt Ungerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung. Es geht darum, ein Leben zu führen, das nicht zu Lasten Dritter geht. Kindsmüller steht freilich nicht alleine da, wenn er hofft, daß dieses Ziel nach den Wahlen im nächsten Jahr ein Stück weiter vorangebracht werden kann. A. A.

Kindsmüller, Werner: Globalisierungs-Chance. Alternativen zur Deutschland AG. Hamburg: VSA-Verl., 1997. 274 S.