Wie ticken Jugendliche im Hinblick auf Umweltthemen? Ist Nachhaltigkeit für sie ein Thema? Auf welchen Wegen lassen sich Jugendliche für ökologische Anliegen ansprechen? Und: Stimmt es, dass das Interesse der Jugend an „Öko“-Themen abgenommen hat? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts im Auftrag des deutschen Bundesumweltministeriums, in dem vorhandene Studien zu aktuellen Jugendkulturen auf Hinweise und Belege hin untersucht wurden, ob sich Jugendliche tatsächlich von Umweltthemen abwenden und welche Ursachen dafür verantwortlich sein könnten. Außerdem wurden die vorhandenen Befunde auf Anknüpfungspunkte für Erfolg versprechende neue Formen der Kommunikation mit Jugendlichen hin ausgewertet. Der Auftragnehmer, das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin, hat zudem Workshops und Focusgruppen mit Jugendlichen zu dieser Frage durchgeführt.

 

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung: Der Rückgang des Interesses der Jugend an Umweltthemen findet statt und hängt wesentlich mit der Überlagerung durch Probleme bei der Bewältigung des Alltags zusammen. Dazu zählen auch drohende Arbeitslosigkeit, Schwierigkeiten bei der Orientierung in einer komplexen gesellschaftlichen Situation sowie die Zersplitterung heutiger Jugendkulturen in diverse „Szenen“ und Subkulturen. Erschwerend wirkt laut Befund, dass Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen oft sehr komplex und abstrakt kommuniziert werden, was den Zugang vieler Jugendlicher zusätzlich erschwere.

 

In Zusammenarbeit mit PraktikerInnen aus Jugendbildung, Umweltverbänden und KommunikationsexpertInnen wurden (zehn) Empfehlungen zur Verbesserung der Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation mit Jugendlichen erarbeitet. Resümee: Wenn Jugendliche sehen, dass umweltorientierte Verhaltensweisen Vorteile bringen können, beispielsweise mehr Lebensqualität, mehr Anerkennung durch Mitmenschen, mehr eigene Gestaltungsspielräume, wird sich das Interesse und Engagement (wieder) verstärken. Entscheidend erscheint die Möglichkeit, Nachhaltigkeit und damit auch sich selbst in ganz konkreten Projekten erfahren zu können, was insbesondere eine Herausforderung an unser Schulsystem sowie die Partizipationskultur generell darstellt. Dass es mittlerweile zahlreiche innovative Ansatz in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung gibt, zeigen die in der Studie ebenfalls beschriebenen Beispiele.

 

H. H.

 

 

 

 Göll, Edgar; Thio, Sie Liong: Einblick in die Jugendkultur: Das Thema Nachhaltigkeit bei der jungen Generation anschlussfähig machen. Studie im Auftrag des Deutschen Umweltbundesamtes. Berlin: Eigenverl., 2011. Download: www.umweltbundesamt.de/umweltbewusstsein/kulturelle_nachhaltigkeit