„Erdöl“ ist wohl eines der meistdiskutierten Themen dieser Tage: Nicht nur aus dem Blickpunkt des Klimawandels, sondern insbesondere wegen der damit zusammenhängenden Teuerungswelle.

 

Egal, ob wir Peak Oil – wie viele Wissenschafter und Experten meinen - bereits erlebt haben und uns nunmehr auf fallende Fördermengen und kritische Energiesituationen einstellen müssen oder ob uns der Höhepunkt der Ölförderung in nächster Zeit noch bevor steht, wie die Erdölindustrie verlauten lässt; klar ist, dass wir auf das Ende des Erdölzeitalters zugehen.

 

Zwei Dokumentarfilme beschäftigten sich im Jahr 2006 aus verschiedenen Blickwinkeln mit diesem Thema: „A Crude Awakening – The Oil Crash“ von den Journalisten und Filmemachern Basil Gelpke und Ray Mc Cormack portraitieren Erdöl als Hauptfaktor der Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert. So gut wie alle wirtschaftlichen, technischen und materiellen Errungenschaften sowie der gesamte Lebensstandard der westlichen Welt basieren auf den Energieressourcen, die durch die Verbrennung von Erdölprodukten gewonnen wurden. Dass dieser einzigartige Energieträger nicht unbegrenzt vorhanden ist, und welche weltwirtschaftlichen, gesellschaftlichen Probleme und Konfliktpotenziale bei geringer werdenden Ölvorräten zu erwarten sind, dem geht die Dokumentation mit Interviews weltbekannter Expert- Innen nach und kommt unter anderem zu dem Schluss, dass „wir auf eine vollkommen neue Welt- und Lebenssituation zugehen, von der wir noch kaum wissen, wie wir mit ihr umgehen sollen. Und doch ist diese Situation nur noch wenige Jahre entfernt“.

 

„The Power of Community – How Cuba Survived Peak Oil”, eine Dokumentation von Faith Morgan, Pat Murphy und Megan Quinn, widmet sich dem Thema aus einer gänzlich anderen und bislang wenig beachteten Perspektive: Kaum ein anderer Staat auf diesem Planeten hat eine derart reichhaltige Erfahrung im Umgang mit knappen Energieressourcen wie der jahrzehntelang unter Embargo stehende Inselstaat Kuba. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 erlebte das Land einen beispiellosen Energiecrash. Hier stießen die DokumentaristInnen auf quasi modellhaft vorgelebte wirtschaftliche und gesellschaftliche Strategien, wie die Aufrechterhaltung der Lebensqualität trotz äußerst begrenzter Energieressourcen durch kreative Lösungen möglich ist. So verfügt Kuba über ein hervorragend organisiertes Netzwerk aus kleinbäuerlichen Betrieben, die die Versorgung der Bevölkerung mit biologischen Nahrungsmitteln ohne den Einsatz petrochemischen Düngers bewerkstelligen. In einer politischen Initiative wurden alle verfügbaren Grünräume mittels moderner von Agrarwissenschaftern begleiteten Methoden nutzbar gemacht und die lokalen und urbanen Gärten der Bevölkerung übergeben. Dieses und andere Beispiele zeigen eindrucksvoll, dass es mit vereinten Kräften möglich ist, Energiekrisen mittels wirtschaftlicher und sozialer Innovation nicht nur zu überwinden, sondern ihnen teilweise auch positive Aspekte und Chancen (Umstellung auf Biolandbau, gesellschaftlicher Zusammenhalt) abzugewinnen. T. H.

 

A Crude Awakening – The Oil Crash. DVD, 2006. www.oilcrashmovie.com

 

The Power of Community – How Cuba Survived Peak Oil. DVD, 2006.

www.powerofcommunity.org