Wer kennt schon Laura Ernst, Rolf Posch oder Öngün Erylmaz? Die wenigsten, natürlich. Sie sind deutsche Bundesbürger wie viele andere auch, nur wurden sie eben gebeten, über ihr Leben zu erzählen. 28 Lebensgeschichten haben die Autoren für das vorliegende Buch gesammelt. Ob jede einzelne Geschichten nun über ein ureigenes Leben berichtet oder wie die Kopie eines x-beliebig anderen zu lesen sei, darüber herrscht weitestgehend Uneinigkeit. Der Soziologe Ulrich Beck und der Kunstkritiker Ulf Erdmann-Ziegler schreiben eine "Gesellschaftstheorie des eigenen Lebens". Ihre These lautet, daß sich "im Ringen um ein eigenes und zugleich im neuen Sinne soziales Leben ein evolutionärer Wandel zeigt der die westlichen Gesellschaften bis in ihre Grundlagen hinein verändert". Kurze Artikel Becks beschreiben zudem Lebensbereiche und Institutionen, in denen Individualisierung spürbar wird: Politik, Familie, Bildung, Jugend. Blumig, aber schnörkellos geschrieben und angenehm zu lesen. Dieses Buch ist nicht nur aufregend alltäglich, es ist auch - dank der Fotos von Timm Rautert - so schön, daß man es nach dem ersten Lesen nicht auf Dauer ins Regal stellt.

I. B.


Beck, Ulrich; Erdmann-Ziegler, Ulf: "Eigenes Leben. Ausflüge in die unbekannte Gesellschaft in der wir leben. München: Beck, 1997. 152 S., DM 24, - / sFr 22,/ öS-175