Der vorliegende Band macht deutlich, daß der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind, um für die Anliegen des Klimaschutzes zu sensibilisieren und konkrete Schritte des Wandels einzuleiten, wenn es gelingt, viele Menschen und Gruppen anzusprechen. An 77 beispielhaften Initiativen zu den Bereichen Verkehr, Energie, Tropenholz, FCKW, Regenwald und indigene Völker wird gezeigt, wie Kommunen zu “Lernorten des Klimaschutzes " werden können. Die unter der Leitung von Lioba Rossbach de Olmos vom Europäischen Klimabündnis erhobenen Aktionen, Projekte, Broschüren, Veranstaltungen, Wettbewerbe, Ausstellungen u. a. m., die von deutschen Klima-Bündnis-Gemeinden in den letzten Jahren durchgeführt wurden, sind Ausdruck einer lebendigen Informations- und Bildungskampagne. Dem zur Nachahmung empfohlenen Aktionskatalog vorangestellt sind reflektierende Beiträge zu den Möglichkeiten und Grenzen von Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. sowie Erfahrungsberichte von Personen, die in Kommunen in der Klimaschutzarbeit und -politik tätig sind. Dabei werden neben praktischen Anliegen wie einer optimalen Gestaltung von Materialien zur Informationsarbeit auch Grundsatzfragen erörtert, etwa die Kluft zwischen Umweltbewußtsein und -verhalten. Da niemand Auto fährt, um beabsichtigt Sommersmog zu produzieren oder das Klima zu gefährden, sondern Umweltbelastungen immer als Resultat sich aufschaukelnder Nebenfolgen einer Vielzahl menschlicher Handlungen zu sehen sind, sei - so etwa Egon Becker - nicht zu erwarten, daß, wer die Klimakatastrophe verhindern will, automatisch sein Auto zuhause läßt. Das allgemeine Ziel des Klimaschutzes könnte daher nur Erfolg haben, wenn es in lokale Handlungsmuster und Zukunftsentwürfe, etwa in "Visionen einer lebens- und liebenswerten Stadt" eingebunden werde. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Umweltpädagoge Horst Siebert, wenn er aus der subjektiven Überforderung durch globale Krisen resultierende Vermeidungsreaktionen benennt; diese reichten von der Verharmlosung ("es ist alles nicht so schlimm") über Ersatzhandlungen (z. B. Spenden, Unterschriften sammeln) und Aktivismus (Müll-Sortieren) bis hin zu Apathie ("es ist sowieso alles zu spät"). Daher plädiert er für eine Bildungsarbeit. die einen "globalökologischen Paradigmenwechsel" ins Auge faßt. Das Europäische Klimabündnis mit indigenen Völkern Lateinamerikas, dem mittlerweile über 500 Gemeinden beigetreten sind, ist - dies zeigt der vorliegende Band sehr deutlich - ein erfolgreiches Konzept. das Angehen gegen die nur mehr global zu begreifenden Klimagefahren mit lokalen Anknüpfungspunkten des Handelns zu verbinden. H. H.

77 Klima-Bündnis-Ideen. Beispiele aus der kommunalen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Nachdenken, Nachlesen, Nachahmen und Nachschlagen. Hrsg v Klima-Bündnis/Alianza del Clima e.V., Frankfurt/M.: Eigenverl., 1996. 344 S. (Klima-Bündnis-Texte; 3)