Wer heute noch meint, soziale Erfindungen wären im Wesentlichen schon alle gemacht oder seien allenfalls belanglos schrullige Spekulationen einiger Außenseiter, der macht die Rechnung ohne den Wirt: Nicholas Albery, der Initiator und engagierte Mentor des "Institute for Social Inventions" (ISI), ist der wohl findigste Sammler und Sachwalter positiver Ideen für eine bessere Zukunft. Im jüngsten Sammelband des Instituts sind in knapp 20 Kapiteln an die 370 Vorschläge unterbreitet, die so gut wie nichts kosten, das Leben auf Erden aber tausendfach bereichern würden.

Einige Kostproben gefällig: Kleinere Schulen, und Lehrer, deren Gehalt sich nach dem Grad der Zufriedenheit der Schüler bestimmt, könnten Entscheidendes zur Reform des Bildungswesens beitragen; Eltern, die aus Gründen der Kindererziehung auf Einkommen verzichten, sollten dafür belohnt werden; ein verpflichtender Test vor der Eheschließung könnte manch böses Erwachen verhindern; Eigenverantwortlichkeit im Stile von „Do-it-yourself-lnitiativen " könnten das soziale Verhalten von der Trauung bis zur Begräbniszeremonie nachhaltig verändern.

So gut wie kein Thema, das im Zyklus eines Normallebens liegt, bleibt in diesem erfrischend unkonventionellen - und gerade deshalb so anregenden Band unerwähnt. Tips zur Haushaltsführung, zur Wohlfahrt und zur Verbrechensbekämpfung finden sich neben einem umfangreichen Abschnitt zu (alternativer) Gesundheit(svorsorge); aber auch den Bereichen Technologie, Wissenschaft und Energie, Transport, Verkehr und Kommunikation, Kunst und Freizeit wird breiter Raum gegeben. Neben gewissermaßen "üblichen" Kapiteln (internationale Beziehungen, Politik), finden sich auch Beiträge zu Spiritualität und Kult; mit innovativen Vorschlägen zur humaneren Gestaltung von Altern und Streben wird auch ein Tabuthema angesprochen, und das ist gut so. Dass das Jahr für Jahr eine derartige Fülle ebenso innovativer wie (im besten Sinne) provokativer Ideen vorstellen kann, liegt zum einen an der unkonventionellen Form der Sammlung: Briefe, Zeitungs- und Buchausschnitte, kurz, alles Verfügbare wird gesichtet und ausgewertet; und gewiss trägt die Aussicht auf den jährlich vergebenen Preis für die beste Idee (in Höhe von 1000 Pfund) zur regen Teilnahme bei. Einsendeschluss ist jeweils der 1. Juli. Es ist kein Zufall, dass Robert Jungk erster Präsident des Instituts war; es wird weiter in unserem Sinne arbeiten. Nachahmung dringend empfohlen!

W Sp.

(Bezugsadresse: Institute for Social Inventions, 20 Heber Rd., London NW2 6AA, Tel.: 081-082853, Fax 081 4526434.)

Re-Inventing Society. A Bumper Book of Best Ideas, Schemes and Speculations.

Ed. by Nicholas Albery ... London: Institute for Social Inventions, 1994.2805., PfS. 14,85. ISBN 0948826347