Hoffnung schaffen. Weshalb Menschen heute glauben

Das Herrschaftssystem, daß Mensch und Natur als Markt betrachtet, ist nach Copray “universal und total”. “Die gesamte Erde ist als Ausgangsbasis, Mittel und Ziel wirtschaftlicher Prozesse einbezogen, ja selbst der Kosmos ist bereits im Blick … Den heute noch Mächtigen, deren Hoffnungen und Fortschrittsutopien um Kapital und Konsum kreisen, die darauf vertrauen, daß sich die Krisen der Gegenwart durch ein Mehr an Technik lösen lassen, steht die wachsende Zahl derjenigen gegenüber, die einen anderen Weg einschlagen wollen. Bewegungen, die sich z. B. Kindern, Frauen, Alten, Behinderten, dem Frieden oder der Natur verschrieben haben, können heute unter den 18’bis 35jährigen mit bis zu 60% der Sympathisanten rechnen. Das sind allein in der BR Deutschland etwa 12 Millionen Bürger, deren Stimme heute noch wenig Gewicht hat, die sich aber zunehmend hören lassen wird, auch wenn das “Projekt Moderne” sich gerade dadurch auszeichnet, daß sich keine klaren Konturen festschreiben lassen. Gleichsam gegen die Darstellung v. W. Kessler und D. Korczak, die sich in Anbetracht der verführerischen Macht von Drogen und Konsum eher skeptisch äußern, setzte Copray darauf, daß sich Hoffnung bewußt herstellen läßt. Indem er die “Kompetenz des Menschen zur Projektion zum Hauptkriterium des lebensweltlich orientierten – Glaubens” erhebt, kann “jeder Mensch als Subjekt seiner Hoffnung tätig werden. Einen Beitrag zum Hoffnungspotential seiner Kultur zu leisten, ist nach Copray jedem möglich. Da Hoffnungen zudem entweder anthropoIogisch oder lebensfeindlich sind, kann zwischen wahren und falschen Hoffnungen unterschieden werden. “Hebammen der Hoffnung” werden im letzten Abschnitt des Buches vorgestellt: Dazu zählen etwa 10000 Selbsthilfegruppen im medizinisch sozialen Bereich (allein in der BRD!), die internationale Vereinigung “Ärzte gegen den Atomkrieg weil sie angstfreien und gesicherten Frieden als Vorbedingung umfassender Gesundheit in ihre Überlegungen einbezieht oder ganzheitlich orientierte Ansätze der Psychotherapie. Gerade hier aber wird die Tendenz zur “ideologischen Besetzung”. die oft „quasireligiöse Formen” annehmen kann, kritisiert. Gelebtem Christentum von klein auf, dem” Bildungslernen ” (anstelle dressierender Erziehung) und schließlich einer neuen, weiblich bestimmten Kultur der Hoffnung sind weitere Beiträge dieses Bandes gewidmet. .  ,  Alles in allem ein buntes Spektrum positiver Lebensentwürfe. Das Dilemma liegt allenfalls im Detail: Nach der Erkenntnis, daß ein Zuviel des Guten eben Schlechtes zutage fördert, können auch wahre Hoffnungen ins Gegenteil umschlagen. Die Lösung: fehlerfreundliche Hoffnungen!

Hoffnung schaffen. Weshalb Menschen heute glauben. Hrsg. v. Norbert Copray. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1989. 142 S.

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