Dieser Band dokumentiert wesentliche Beiträge einer Tagung "Frauen in der Ökonomie" in St. Gallen 1995. Tagung und Vortragssammlung fußen auf drei Schwerpunktthemen: Ansatzpunkt Institution (wobei damit in diesem Zusammenhang weniger organisatorische als normative Haltungen bezeichnet sind), Natur und Ökonomie, Frauen in der Arbeitswelt. Ersteres Thema liefert die grundlegenden Denkansätze, die zeigen; wie tief die Unterschiede in der Bewertung von weiblichem und männlichem Handeln sitzen. Von gesellschaftlichen normativen Werthaltungen bis zu wissenschaftlichen Erkenntnissen wird das Untersuchungsfeld und damit das Resultat männlich determiniert und definiert, 'und anschließend werden Frauen diesem Denkschema subsumiert (Beispiel: Lawrence Kohlbergs Stufentheorie der Moralentwicklung). Die Autorinnen sehen jedoch seit zwei Jahrzehnten einen Aufbruch in der feministischen Wissenschaft, die in verschiedenen Ansätzen gegen all diese Verzerrungen auftritt. Ein solch patriarchalische Darstellung findet sich in der Ökonomie, besonders im Phänomen des Arbeitsmarktes. Wenn in diesem Zusammenhang von Diskriminierung gesprochen wird, meint man vordergründig ausschließlich die unterschiedliche finanzielle Abgeltung der "betrieblichen Produktivität" bei Männern und Frauen. Die indirekten Diskriminierungen von Frauen wie Qualität des Arbeitsplatzes, Karrierechancen [die z.T. in immer noch] unterschiedlicher Ausbildung grundgelegt sind), Arbeitsplatzsicherheit und soziale Absicherung bleiben dagegen meist unberücksichtigt. All diese Ungleichheiten könnten zukünftig für die gesamte Volkswirtschaft negative Auswirkungen zeitigen. Würde man - so eine der provozierenden Thesen dieses Bandes -, in Umkehrung herkömmlicher Kategorien, Männern u.a. eine ”leistungsadäquate Bezahlung" in der Form zubilligen, wie sie Frauen "selbstverständlich" erhalten, so könnte eine optimale Preisstruktur erreicht, der Output gesteigert und in der Folge eine hohe Gesamtwohlfahrt erreicht werden. So müßten auch Beschäftigungsstrukturen aufgrund der Diskriminierung von Frauen verändert, Aspekte der Qualifikation beider Geschlechter und deren praktische Umsetzung hinterfragt und v.a. die Arbeitsteilung in Berufs- bzw. Familienarbeit gründlich revidiert werden. Wo und wie sind Veränderungen zu realisieren? Dazu müßte es u.a. für Frauen mehr Anreiz geben, sich intensiver in der Arbeitswelt einzubringen, für Männer hingegen müßte die Kompatibilität von Berufs- und Familienarbeit mit positiven Anreizen ausgestattet sein. Sozialstaatliche Angebote (EIternurlaub) und ökonomische Anreize, betriebliche Frauenförderung, Veränderung im Individualverhalten sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Qualifikation der Frauen könnten weitere Impulse der Veränderung sein. Wie Allgoewer / Peter in einer Art Synopse verdeutlichen, ist die Lösung des Problemkomplexes v.a. deshalb so schwierig, weil die Diskriminierungen in einem dichten Geflecht sich wechselseitig bedingender, teils sehr komplexer Größen - volkswirtschaftliche Institutionen, individuelle Berufswahl, Lebensgestaltung, gesellschaftliche Wertvorstellungen - miteinander verbunden sind. S. Sch.

Ökonomie weiterdenken! Beiträge von Frauen zu einer Erweiterung von Gegenstand und Methode. Hrsg. v. Elisabeth Allgoewer ... Frankfurt/M. (u.e): Campus-Verl., 1997. 243 S.,DM 58,- / sFr 55,- / öS 423