Die lebhafte Debatte über Umwelt- und Gesundheitsbewußtsein hat auch die Problematik des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz wieder stärker ins Blickfeld gerückt. Von der "Ökologiediskussion" hat die Arbeitswissenschaft entscheidende Impulse erhalten, daß auch die menschliche Arbeitskraft Teil der Naturproduktivität ist, wurde offensichtlich. Und so wie die Naturist auch die Arbeitskraft nur unter Bedingungen ökologischer Kreisläufe von Verausgabung und Wiederherstellung zu verstehen. Von einer menschengerechten Arbeitsgestaltung kann demnach nur gesprochen werden, wenn der Mensch die vielfältigen auf seine Arbeit wirkenden Einflußfaktoren ohne allzu große Beeinträchtigungen bewältigen kann. Diese Einflußfaktoren sind keineswegs nur physikalischer, chemischer oder biologischer Art, sondern haben auch organisatorische und soziale Dimensionen, wie sie etwa in Fragen der Arbeitszeit, Über- oder Unterforderung, Arbeitslosigkeit etc. zum Tragen kommen. Aber auch indirekte Faktoren wie Verkehr und Wohnsituation spielen eine wichtige Rolle für die Arbeitsumwelt des einzelnen Menschen. Die Erweiterung der klassischen Arbeitswissenschaft um diese sozialen und indirekt wirkenden Einflußgrößen ist das große Verdienst dieser Studie. Alfred Oppolzer unternimmt den Versuch, all diese Einflüsse und Belastungen zu ordnen, in ihren Zusammenhängen darzustellen und ihre Dimensionen aufzuzeigen. Er sieht die Notwendigkeit, diese Forschungsergebnisse weiteren Kreisen der Gesellschaft zugänglich zu machen, um eine rein technokratische Expertendiskussion über menschengerechte und ökologische Arbeitsgestaltung zu verhindern. Tatsächlich ist die humane Gestaltung der Arbeitswelt in einer „Arbeitsgesellschaft" eine Aufgabe, die nur unter Einbindung aller zu bewältigen ist. J. P.

Oppolzer, Alfred: Ökologie der Arbeit. Mensch und Arbeitsumwelt: Belastungen und Gestaltungserfordernisse. Hamburg: VSA-Verl., 1993. 190S., DM 29,80 / sFr 25,30 / öS 232,40