Die Beiträge des Sammelbandes gehen auf eine Tagung der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie. in Sommerhausen (1990) zurück. Während die Humanökologie auf biologisch-naturwissenschaftlichen Traditionen aufbaut, wurzelt die Kulturökologie in Anthropologie und Ethnologie. Der Band beleuchtet aktuelle Öko-Bewegungen und -Theorien im Licht ihrer Genese. Der historische Teil wird durch die Konfrontation der sozial orientierten Chicagoer Schule von Burgess (Humanökologie) mit Stewards Kulturkernkonzept (Kulturökologie) eingeleitet. Teil" untersucht abendländische Traditionen bezüglich möglicher Erklärungsansätze und Perspektiven der Natur-Kultur-Beziehung: Neuzeitliche Bewegungen (Aufklärung, Emanzipation) werden ebenso wie griechische und jüdische Denktraditionen in ihrer Beziehung zur Natur beleuchtet. Ein Beitrag des Bandes provoziert mit der These" Der' neue Geist des Kapitalismus ist der Ökologismus". In der Auseinandersetzung zwischen Ökonomie und Ökologie werden demnach ökologische Ansätze in den Wirtschaftssystemen der Zukunft ihren Platz behaupten. Parallelen zwischen jüdischen Protestbewegungen gegen die militant-griechische Kultur und dem Antagonismus von Ökologiebewegung und Industriegesellschaft, die in der griechisch-römischen Tradition wurzelt, werden aufgezeigt. Der Reinheitsmythos (jüdische Tradition) der modernen ökologischen Protestkultur äußert sich als Kritik gegen Umweltverschmutzung und Krankheit. In Abschnitt III werden grundsatzwissenschaftliche Thesen (z.B. biologische Anpassung vs. kulturelle Akkomodation). angewandte Analysen (z.B. Bevölkerungsentwicklung, Eßgewohnheiten) sowie Modelle einer auf Systemtheorie und Kybernetik fußenden vielschichtigen Kulturökologie (Theorie des "ökologischen Komplexes") vorgestellt. Der letzte Teil enthält folgende empirischen Untersuchungen aus ruralen und urbanen Lebensräumen: kulturökologische Wissenssysteme und Agroforstwirtschaft bei Indianern (Peru, Amazonasgebiet), die ökologische Krise in Afrika (SaheI), Probleme der Intensivtierhaltung in Deutschland; weiters: sozioökologische Phänomene aus urbanen Lebensräumen (Zusammenhang von personaler Identität und Siedlungsstrukturen in Salzburg; Drogenkonsum in Industrie- und Entwicklungsländern und Gegenstrategien). Ein übersichtliches Glossar bietet Lesehilfen. M. Sch.

Humanökologie und Kulturökologie: Grundlagen, Ansätze, Praxis. Hrsg. v. Bernhard Glaeser. Opladen: Westdt. Verl., 1992. 443 S., DM 56,-/sFr47,50/ öS 436,80