Im Umfeld globaler Instabilitäten werden die Schatten des Zufalls immer länger. Nichts wäre indes verfänglicher, als den Dingen resignierend freien Lauf zu lassen, denn wir haben - dies ist Laszlos zentrale Botschaft durchaus die Möglichkeit "visionäres Denken herzustellen". Als Logbuch erfolgreicher Zukunftsgestaltung bietet dieser, auf die Grundlagen der Chaosforschung aufbauende Band in drei Teilen mit jeweils drei Kapiteln und essayartigen Einschüben gute Dienste. Am Beispiel einer nach innen und außen flexiblen Politik transnationaler Konzerne und erfolgreicher Mittelbetriebe werden in Teil 1 Grundzüge des Evolutionären Managements dargestellt. Tenor der Befunde: Nicht Kapitel, nicht Hierarchie, sondern der offene, wechselseitige Informationsfluss sichert das Überleben in einer dynamisch chaotischen Entwicklung, die nichtdeterministisch und selbstschöpferisch, aber niemals willkürlich und ungeordnet ist. Mit Blick auf die Geschichte sieht Laszlo langfristige Abfolgen turbulenter und stabiler Phasen, die sich als „Evolutionäre Gigatrends" (EGT) darstellen und durch bewusste Schaffung "sensibler Abhängigkeiten" auch beeinflussen lassen. Ihre Grundlagen sind Innovation, Synergie, Konvergenz, Komplexität, Bifurkation und Chaos. In Teil 2 werden Schlüsselprinzipien des Evolutionären Managements praxisnah und anschaulich vermittelt, wobei insbesonders auf die Aspekte Ökonomie/Ökologie, Wissensverwendung, und Entscheidungsfindung, Organisation und Durchführung eingegangen wird. In der Einsicht, dass globales Handeln und Denken stets auch bedeutet, lokale Entscheidungen als Teil eines weltumfassenden Netzes von Aktion und Reaktion zu sehen, appelliert Laszlo im abschließenden dritten Teil an die Verantwortung der Führungskräfte in Wirtschaft und Politik. Es dabei nicht bei allgemein blassen Empfehlungen zu belassen, sondern konkrete Vorschläge - etwa zur Besteuerung "globalen Gemeindelandes" (Ozeane, Polargebiete) - zu machen, zeichnet diese wichtige Studie ebenso aus wie die selbstkritische Einschätzung rascher Umsetzung. Zu Recht werden die "technologischen Innovationen als wichtigster Motor der Evolution" hervorgehoben, doch nicht verkannt, dass "das Problem unserer Zeit nicht die technische Beherrschung der Natur, sondern die Beherrschung der durch die Wissenschaft (... ) freigesetzten Kräfte für die Belange der Menschen" ist. W. Sp.

Laszlo Ervin: Evolutionäres Management. Globale Handlungskonzepte. Unter Mitarbeit von Christopher Laszlo u. Prinz Alfred v. Liechtenstein. Fulda (u.a.): Paidia Verl. (u.a.), 1992, ca. 250 S., DM 68,-/ sFr 57,70/ öS 530,40 (Erscheint voraussichtlich Ende Juni '92)