Micael Dahlén ist ein Optimist. Wir freuen uns  auf das, was bald passieren wird. Das nächste Date wird das beste aller Zeiten. Das nächste iPad wird ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Die nächste Saison wird die Meisterschaft bringen. Für Dahlén verdient unser menschliches Zusammenleben deswegen die Bezeichnung „Erwartungsgesellschaft“.

Die Erwartungen haben nicht nur Einfluss auf unsere Stimmung. Sie haben auch Einfluss auf die Geldflüsse in unserer Welt. Geld geht dorthin, wo der größte Ertrag erwartet wird. Die Wirtschaft ist getrieben von der Suche nach Dingen, von denen man sich etwas erwarten kann. Dieses Erwarten sieht Dahlén positiv: „Süchtig nach der mächtigsten Droge von allen, der Zukunft, leben wir länger, lieben wir mehr und setzen wir uns stärker unter Druck.“ (S. 25) Dahlén prägt einen Begriff für diese erwarteten Ereignisse: Nextopia.

Nextopia heißt auch das Buch dieses 40-jährigen Professors für Marketing und Konsumentenverhalten aus Stockholm. Es ist flott geschrieben, voller Beispiele, sogar grafisch gestaltet, hat Quellen, aber keinen Fußnotenapparat. Aber was ist noch mal die Botschaft? Eine Botschaft hat dieses Buch. Es wendet sich an den Einzelnen. Es ist nicht wichtig, wer man sei, sondern wer man sein werde. Es geht nicht um das Heute, es geht um das Morgen. Es geht um Wachstum, neue Erwartungen, neues Wachstum, neue Erwartungen. Dahlén fragt selbst: „Muss diese Entwicklung nicht irgendwann zum Stillstand kommen?“ (S. 196) Ressourcenverknappung? Müdigkeit? Dahlén antwortet „Nein. Die Natur kann das in diesem Buch entworfene Bild nur verändern, indem sie uns tötet. Die Verhaltensweisen, die uns da hingebracht haben, wo wir heute stehen, sind in unseren Genen verankert.“ (S. 197) Die Menschen selbst seien Natur und in der Vergangenheit sei ja auch alles gut gegangen: Siehe Wachstum der Weltbevölkerung, siehe Entwicklung der Gesundheit der Menschen, siehe Lebenserwartung.

Glück hingegen wird immer schwieriger zu finden sein. Denn wir seien nun mal so gepolt, dass es nicht darum geht, glücklich zu sein. Sondern es geht in der Erwartungsgesellschaft darum zu versuchen, glücklich zu sein. Und: „In der Erwartungsgesellschaft gibt es kein Ende.“ (S. 204)

Dahlén legt uns eine Hypothese vor, er macht sie plausibel, verzichtet aber auf detaillierte Beweisführung. Das Buch ist stimulierend. Als Gegengift sollte man Jared Diamonds „Kollaps“ mal wieder zur Hand nehmen. S. W.

 Dahlén, Micael: Nextopia. Freu dich auf die Zukunft – du wirst ihr nicht entkommen! Frankfurt/M. (u. a.): Campus, 2013. 247 S., € 19,90 [D], 20,60 [A], sFr 27,90. ISBN 978-3-593-39812-9