Unsere Gesellschaft kann als "technologische Zivilisation" bezeichnet werden. Doch die zunehmende Technisierung hat eine Reihe von Problemen wie irreversible Schädigung von Ökosystemen, Bevölkerungsexplosion oder Verknappung natürlicher Ressourcen geschaffen. In den 60er Jahren entstand eine internationale soziale Bewegung mit dem Namen "Angepaßte Technologie" (AT), die sicherstellen wollte, "daß Technologie verträglich ist mit ihrem soziokulturellen, ökonomischen und ökologischen Kontext". Es soll also nicht jene Technologie eingesetzt werden, die am ökonomischsten ist, sondern diejenige, die ökonomische, soziale und ökologische Anforderungen erfüllt. Dabei wird u.a. gefragt, ob die anzuwendende Technologie zur Befriedigung der Grundbedürfnisse des Menschen beiträgt, ob sie auch den Bedürftigen zugänglich ist, ob lokale Faktoren wie Arbeitsplatzbeschaffung oder schonender Umgang mit Energien einbezogen werden, ob sie den Menschen zu kreativer Beteiligung anregt und ob sie sich in die ökologischen Kreisläufe einpaßt. So sollen etwa Raubbau und Verschmutzung durch Recycling oder Nutzung erneuerbarer Ressourcen verringert werden. Eine Richtung der AT befaßt sich mit der wirtschaftlich-technischen und sozialen Entwicklung der Dritten Welt, wo der bisherige Industrialisierungsprozeß kaum zur Linderung der Armut beigetragen hat. Hier soll eine kombinierte sozioökonomische und politische Strategie helfen, Armut und Arbeitslosigkeit in möglichst kurzer Zeit zu beseitigen. 

Bierter argumentiert überzeugend, daß sich in Zeiten zunehmender Technologiekritik die noch vorherrschende Technologiepraxis ändern muß, denn ohne Technik ist unsere Zivilisation nicht denkbar, aber sie muß schonend und für Mensch und Umwelt verträglich eingesetzt werden. I. L.

Bierter, Willy: Technologie-Praxis "Angepaßte Technologie": ein Status-Report. Braunschweig (u.a.): Vieweg, 1993. 119 S., DM 19,80/ sFr 16,80 / öS 154,40