In den Alpen, den Bastionen des Status quo, tut sich einiges: "Seit Mitte der achtziger Jahre, seit 1987, 1988 in einem ganz besonderen Maße, haben unter den Müll- und Mistbergen, unter den Zivilisationsabfällen gletschergeiler Erschließer neue Triebe zu keimen begonnen. Mehr als 120 Modelle, Projekte, Ideen, Thesen, Erfahrungen und Utopien aus dem gesamten Alpenraum sind hier dokumentiert. Thematisch kommen sowohl Landwirtschaft und Tourismus als auch Kultur und Handwerk sowie Beispiele des Widerstands und Umdenkens zu Wort. Der Autor betont die Bruchstückhaftigkeit seines Unterfangens, "über interessante Menschen und ihre Ideen, über ihre Versuche, ihr innovatives Quer- und Vorausdenken" im engen Rahmen eines Buches zu berichten. Gerade in jüngster Zeit kommt in den Bereichen Bürgerinitiativen, Direktvermarktung oder sanften Tourismusformen ständig Neues hinzu. Zu lesen ist u.a. von genossenschaftlichen Aktivitäten, von Produktions- und Verwertungsstätten für Ziegenmolke oder von einer französischen Landwirtschaftsinitiative. Es ist von Bettenausbaustopps und dem Verzicht auf Gletschererschließungen die Rede. Auch fehlgeschlagene Projekte wie etwa eine Initiative des Österr. Alpenvereins im Virgental werden nicht ausgelassen. Der Autor vermerkt dazu nur trocken: "Sicher ist, daß die Aktion ,sanfter Tourismus' zumindest einige Zeit ein großer Erfolg geworden wäre. Sicher ist aber auch, daß die maßgeblichen Einheimischen gegen Nationalpark und sanften Tourismus waren. Aber kehren wir wieder zu den positiven Meldungen zurück: Proteste gegen Kunstschneeanlagen in Graubünden sind heute ebenso an der Tagesordnung wie die noch vor einiger Zeit unvorstellbare Weigerung der Musikkapelle in Kitzbühel (Tirol), bei der offiziellen Wahlveranstaltung des Herrn Landeshauptmanns anläßlich der Landtagswahlen 1989 aufzuspielen. Alles in allem stimmt die vorliegende Dokumentation jedenfalls optimistisch.

Haid, Hans: Vom neuen Leben. Alternative Wirtschafts- und Lebensformen in den Alpen. Innsbruck: Haymon, 7989. 287 S.