Wenn der Herausgeber die anhaltende Diskussion über Wege zukünftiger Sozialpolitik von "fruchtbarer Unübersichtlichkeit" gekennzeichnet sieht, so ist damit der Wunsch verbunden, klärend einzugreifen und Auswege aus der Misere der Sozialversorgung zu erörtern. Sämtliche der vier in diesem Band versammelten Aufsätze lassen deutliche Sympathien für ein im Einzelfall nicht festgeschriebenes Konzept der sozialen Grundsicherung erkennen, wobei - wider die Vermutung konservativer Ideologie - der überzeugende Beweis geführt wird, dass grundsicherungsorientierte Modelle mit "kapitalistischer System Identität" durchaus vereinbar sind. Im ersten Beitrag entwickelt Georg Vobruba zunächst den Begriff „Lohnarbeitszentrierte Sozialpolitik" und erläutert ein zentrales Dilemma: Nur unter der Bedingung weitgehend standardisierter Arbeitsverhältnisse ist der Zugang zu den lukrativen Töpfen sozialstaatlicher Versorgung gewährleistet, während Mangel und Repression gerade jenen droht, die gesellschaftlicher Solidarität am dringendsten bedürfen. Von der Lage in der BRD ausgehend, erläutert Bernd Schulte Konzepte und Lösungsvorschläge in Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und der EG, während Stephan Leibfried Ansätzen des Bedarfsprinzips in der sozialpolitischen Gesetzgebung der BRD nachgeht. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Mindestlöhne, Steuerfreibeträge u. a. zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für das Konzept der Grundsicherung bieten. Sylke Nissen schließlich durchleuchtet den aktuellen Stand der Debatte innerhalb der deutschen Parteienlandschaft und bietet einen Systematisierungsvorschlag, um zur Versachlichung beizutragen." 

Strukturwandel der Sozialpolitik. Lohnarbeitszentrierte Sozialpolitik und soziale Grundsicherung. Hrsg. v. Georg Vobruba. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1990. 339 S. (es; 1569) DM 18,- / sFr 15,30 / öS 140,40