Dieser Titel geht auf ein vom Herausgeber geleitetes Forschungsprojekt zurück, in dessen Rahmen zwei Symposien mit Beteiligten aus Schwarzafrika, Indien, dem islamischen Kulturbereich, Europa, Japan, Taiwan, den Philippinen, Australien, Bolivien und den USA durchgeführt wurden. Im Problemaufriß wird zunächst die öko-soziale Herausforderung für alle Kulturen und Religionen in den Blick gerückt; dann wird das Natur- und Selbstverständnis der Moderne, seine; Hintergründe und die sich globalisierenden Folgen analysiert. Schließlich wird u. a. die Frage aufgeworfen, was das kritisch-kreative Potential der verschiedenen Kulturen und Religionen zu einem veränderten Natur- und Selbstverständnis bzw. zu einem planetarischen ökologischen Ethos beitragen kann. Aus den vielschichtigen Antworten der insgesamt 15 Expertinnen werden v.a. zwei Gesichtspunkte deutlich:

  1. Es gibt keine einfache Lösung. Die ökologische Alternative kommt z. B. nicht einfach aus dem Osten; auch japanischer Buddhismus und chinesischer Daoismus stehen zu Unrecht in dem Ruf, ökologische Religionen zu sein. Besonders beeindruckend sind der Mut und die Offenheit, mit der die feministische Religionswissenschaftlerin Aiko Ogoshi die Schizophrenie des japanischen Naturverständnisses aufdeckt: einerseits wird das eigene (Zen-)Gärtchen gepflegt, andererseits exportiert die Wirtschafts macht Japan die Naturverwüstung ins Ausland.
  2. Es kann kein Weltethos geben ohne Rückbesinnung auf und Einbindung von indigenen nicht-dualistischen Naturauffassungen (etwa der Dadirri-Spiritualität australischer Ureinwohner), die sich in lokalen ökologischen Gemeinschaften manifestieren (wie dem Green Belt Movement afrikanischer Frauen).

Das Buch vermittelt ein beachtliches Spektrum von kulturellen und religiösen ökologischen Ressourcen der Menschheit; was m. E. jedoch fehlt, ist das Aufzeigen von konkreten Möglichkeiten und Zukunftsperspektiven, diese Ressourcen umzusetzen, um so denjenigen handfesten machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen entgegenzuwirken, die einer tragfähigen Entwicklung im Weg stehen. M.A.

 

Ökologisches Weltethos im Dialog der Kulturen und Religionen. Hrsg. v. Hans Kessler Darmstadt: Wiss. Buchges., 1996. 287 S.,