Mehr als 30.000 Mal wurde die 1997 im Auftrag von MISEREOR am Wuppertal-Institut erstellte Studie - Zukunftsfähiges Deutschland - bisher verkauft. Diese breite, selbst Optimisten überraschende Resonanz macht deutlich, daß die Sorge um die Zukunft auch in Anbetracht der Forderung nach sicheren Arbeitsplätzen ein vorrangiges Anliegen breiter Bevölkerungskreise ist. In zahlreichen Reaktionen, so berichteten die Herausgeber, wurden Vorzüge der Studie herausgestellt, von verschiedenen Stellen auch Kritik an den radikalen Forderungen etwa nach der Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen in der "Ersten Welt" um 80-90% bis 2050 geübt, v. a. aber der Wunsch geäußert, im AIItagsverhalten konkret umsetzbare Schritte zu benennen, um dem Ziel einer tragfähigen Entwicklung weltweit Rechnung tragen zu können.

Diesem Anliegen kommt das "Weltkursbuch" in vorbildlicher Weise nach. In acht Kapiteln zu den Themenbereichen Wohnen, Ernährung, Kleidung, Gesundheit, Bildung, Freizeit, Globalisierung und (in Ergänzung der Wuppertal-Studie) Verkehr wird nicht nur - einmal mehr - eine Fülle von Daten und Fakten präsentiert, die verdeutlicht, daß wir voll auf ”Titanic-Kurs" steuern. ”Fallbeispiele", die einerseits die kurzsichtigen und global untragbaren Bequemlichkeiten der Reichen auf ihre Sinnhaftigkeit und Korrigierbarkeit hin unter die Lupe nehmen und andererseits die daraus resultierenden Nöte der Armen konkret vor Augen führen, motivieren darüber hinaus dazu, eigene Verhaltensmuster zu überdenken und durch lokales Handeln global zu wirken. Die Folgen unserer gedankenlosen Bequemlichkeit - genau besehen, immer zu Lasten der Ausgegrenzten 2/3 und vielleicht bald schon 4/5 der Weltbevölkerung - sei an einigen Beispielen verdeutlicht: Während eine europäische Stadt der nördlichen Hemisphäre pro einer Mio. Einwohner täglich durchschnittlich 11.500t Erdöl. 320.000t Wasser und 2.000t Nahrungsmittel verbrauchen sowie 300.000t Abwasser nebst 1.600 Abfall "produzieren"; steht in den Megastädten des Südens wie etwa Bombay 800 Bewohnern nur eine öffentliche Toilette zur Verfügung (Vgl. S. 34 u. 36). Standby-Schaltungen in deutschen Haushalten schlucken mit jährlich 20,5 Mia. KW mehr als die Stadt Berlin insgesamt (14 Mia./a). Aber auch die Tatsache, daß in Deutschland (1993) allein 112,7 Mia. DM für Bekleidung ausgegeben wurden (etwa 10 Mal soviel wie in den Niederlanden), der "Lebensweg" eines T-Shirts 27.000 km lang ist und - eine der Schattenseiten dieser Entwicklung - Jahr für Jahr 220.000 Baumwollernterinnen an den Folgen von Pestizidvergiftungen sterben, gibt genügend Raum zur Kurskorrektur, die beim einzelnen beginnend - und genügend Druck vorausgesetzt - auch politisch Wirkung zeigen kann.

Wie vielfältig und innovativ die Möglichkeiten zu umwelt- und sozialverträglichem Handeln bereits sind, wird anhand zahlreicher Projekte und Initiativen, die in allen erörterten Bereichen agieren, ebenso verdeutlicht. wie durch die Kapitel abschließenden ”Tips in Kurzform". Die grafisch überzeugende Aufbereitung, Cartoons und literarische Beiträge sowie ein umfangreiches Register mit Buch- und Adressenhinweisen runden die auch aus der Summe wichtiger Beiträge herausragende Publikation ab. Bücher wie dieses sind ein Glücksfall. Von möglichst vielen wahr- und in den empfohlenen Konsequenzen auch angenommen, tragen mit dazu bei, die Welt zu verändern.

W Sp.


168  Weltkursbuch - Globale Auswirkungen eines "Zukunftsfähigen Deutschlands': Hinweise und Tips für unser alltägliches Verhalten. Hrsg. v. MISEREOR. Basel: Birkheuser. 1998.216 S., DM 39,801 sFr 34,-1 öS 291,-