Naschold gibt einen prägnanten Überblick über Stand und Probleme der Technologiefolgeabschätzung (TA). Zunächst werden die historischen Trends der Entwicklung dargelegt. Bereits 1973 wurde in den USA durch Gründung des Office of Technology Assessment (OTA) die TA institutionalisiert. Dieses OTA-Modell bildete im internationalen Raum das Leitbild.

Versteht man TA in den USA als Instrument zur Binnenrationalisierung des politisch-administrativen Systems, so ist es in Japan kein parlamentarisches Kontroll-, "sondern ausschließlich ein Steuerungsinstrument der Regierung im technisch-ökonomischen Umstrukturierungsprozeß des Landes". Seit Anfang der 80er Jahre wurde in fünf europäischen Ländern TA institutionalisiert: als verwaltungsinterne oder parlamentarische Einrichtung (F, DK), in Form unabhängiger Institute (NL, A) sowie im Verbundmodell (S).

In der BRD ist die parlamentarische Institutionalisierung bisher fehlgeschlagen. Diese Tatsache als Ergebnis eines Berichts der Enquete-Kommission an den Deutschen Bundestag wird in einem eigenen Abschnitt näher beleuchtet. Nicht zuletzt geht es um die Grundelernente und Grundprobleme der TA. Eine enge Definition versteht unter TA Risikoanalyse und -prognose, "ein weiter gefaßtes Konzept begreift TA als Mittel der Alternativenbildung und als politisches Entscheidungsinstrument" . Als zentrale Knotenpunkte der diesbezüglichen Entwicklungen werden drei Problembereiche näher besprochen, die wissenschaftliche Konzeption und Methodik, die Institutionalisierung und schließlich das Problem Öffentlichkeit und Partizipation. Besonders kontrovers verläuft die Diskussion um die Institutionalisierung der TA. Im Bereich Öffentlichkeit und Partizipation bestehen zudem tiefgreifende gesellschaftspolitische Konfliktlinien darüber, inwiefern TA als System gesamtgesellschaftlicher Mitbestimmung funktionieren kann. Der Anstoß und innere Antrieb für die gesamte TA-Debatte liegen für Naschold "in der frühzeitigen und adäquaten Erfassung und gegebenenfalls Steuerung sowie Gestaltung der komplexen und langfristigen technologischen Entwicklungsprozesse und ihrer Folgen".

In ihrem deskriptiven Charakter kann diese Analyse wohl nur als Zusammenfassung bzw. Überblick eingeschätzt werden. Wie in früheren Rezensionen (PZ 1/88, Nr. 28 u. 29; PZ 2/ 87, Nr. 50) gezeigt wurde, sind ob der Komplexität des Gegenstandes auch jene Disziplinen zum Nachdenken aufgerufen, die bisher nur am Rande mit Fragen der Technik befaßt waren. Andernfalls bleibt TA ein technokratisches Instrument und verkommt zur Legitimationsrhetorik.

Naschold, Frieder: Technologiekontrolle durch Technologiefolgeabschätzung? Entwicklungen, Kontroversen, Perspektiven der Technologiefolgenabschätzung und -bewertung. Köln: Bund-Verl., 1987. 42 S. (Schriftenreihe der Otto-Brenner-Stiftung; 42)