„Eine Soziale Erfindung ist eine neue und phantasievolle Lösung für ein soziales Problem oder ein neuer Weg, die Qualität des Lebens zu verbessern.“  Ausgehend von dieser Begriffsbestimmung des „Institut for Social Inventions“ in London haben Claudia Stracke-Baumann und Norbert Müllert ein neues Lehrveranstaltungsformat für die Hochschule für angewandte Sozialforschung München entwickelt. Das in Erinnerung an den 100. Geburtstag von Robert Jungk durchgeführte Projekt lässt sich dabei selbst als soziale Erfindung charakterisieren. Einem Fachtag an der Hochschule folgten eine Exkursion zur Wirkungsstätte von Robert Jungk nach Salzburg sowie Zukunftswerkstätten, in denen aktuelle Problemfelder und Zukunftsideen im Kontext der Sozialen Arbeit identifiziert und in Forschungsprojekten mit weiteren KollegInnen verdichtet wurden. Stracke-Baumann spricht von einer „TAgkTION“, einem Kunstwort, welches Taktion (Berührung) mit Jungk verbindet.

Im vorliegenden Band werden der Prozess des Seminarmodells sowie daraus entstandene Projekte vorgestellt. Die Basis bildete ein von Norbert Müllert entwickelter Kriterienkatalog für soziale Erfindungen, der Aspekte wie „gemeinnützig“, „Lebensqualität verbessernd“, „ökologisch“, „einfach/nachahmbar“, „verbreitbar/durchsetzungsfähig“ oder „neuartig/phantasievoll“ umfasst.

Kurz zu den vorgestellten Projekten: Eine StudentInnen-Gruppe entwarf ein Konzept für einen „Greenday“ und setzte diesen am eigenen Campus um. Constance Engelfried führte im Sinne von „Action Research“ mit ihren Studierenden eine Zukunftswerkstatt durch, in der Mädchen eines Münchner Stadtteils mit „besonderem Entwicklungsbedarf“ über ihre Lebenssituation befragt werden konnten. Eine weitere StudentInnen-Gruppe entwickelte aus einer Zukunftswerkstatt ein Verfahren, das Wohnbauträgern in der sozialverträglichen Sanierung von Siedlungen unterstützt. Aus diesem „KreaSozProjekt“, das den Rezensenten besonders beeindruckt hat, entstand mittlerweile ein Sozialunternehmen, das erfolgreich Aufträge umsetzt und eine Art Kulturzentrum auf einem aufgelassenen Fabriksgebäude in München, den „KreaSozTurm“, betreibt.

Grundsätzlichen Überlegungen zu Sozialen Erfindungen (Teil I) sowie den aus der Lehrveranstaltung entstandenen Projekten (Teil II) folgen im dritten Teil des Bandes Beiträge über weitere Projekte aus der Sozialen Arbeit, die mit sozialen Erfindungen zu tun haben, wie das „KonText-Leseprojekt“ zur (Re-)Sozialisierung strafffälliger Jugendlicher oder die „SchlaU-Schule“, ein schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge. Wir gratulieren den KollegInnen zu den spannenden Projekten und dem Bemühen, soziale Erfindungen in den Kontext wissenschaftlichen Arbeitens zu stellen, und freuen uns, dass auf diese Weise auch das Wirken Robert Jungks in Erinnerung gehalten wird. Hans Holzinger

 

 Soziale Erfindungen – Soziale Arbeit. Theoretisches, Erfinderisches, Praktisches. Hrsg. v. Claudia Stracke-Baumann u. Norbert Müllert. München: AG Spak, 2014. 269 S., € 19,- [D], 19,50 [A] ; ISBN 978-3-940 865-87-8