Die flächendeckende Nutzung des Internets und seine Anwendung quer über den Globus sind für den österreichischen Journalisten Claus Reitan einer der zentralen Treiber für den rasanten Wandel der Welt in den letzten Jahren. Er bezieht sich dabei insbesondere auf die Veränderung des Wirtschaftens: Der Globus sei zum Marktplatz ohne Aufsicht geworden. „Er bot jenen Akteuren die Spielräume und Gelegenheiten zur Bereicherung, die sie zu nutzen wussten“ (S. 12), notiert der Autor mit Blick auf die Finanzkrise. Reitan sieht auch die ökologischen Herausforderungen und er befürchtet, dass der Wohlfahrtsstaat in der bisherigen Form nicht zu halten sein wird: „Europas und Österreichs Lebensstandard beruhen – unter anderem – auf einer Wirtschaftsweise und einer Staatsgebarung, die mit den Krisen des 21.Jahrhunderts am Ende ihrer Versprechungen angelangt sind.“ (S. 15) Hoffnungen setzt der Autor – wie andere auch – auf die Zivilgesellschaft, die von der Politik derzeit aber nur wahrgenommen werde, wenn sie Subventionsansuchen stellt.

Reitan beschreibt als Journalist neue Ansätze wie das „Ashoka“-Netzwerk, das junge Menschen darin fördert, sinnvolle Projekte umzusetzen, er hofft auf die Vielzahl an Sozialunternehmen, die gemeinnützig wertvolle Sozialarbeit verrichten, auf junge Startups, die nicht auf Konkurrenz sondern auf Kooperation basierten, sowie auf die zahlreichen freiwillig Engagierten, ohne die unsere Gesellschaft nicht überlebensfähig wäre. Reitan lobt auch erste Bemühungen der Umsteuerung durch herkömmliche Unternehmen („CSR“ sieht er als Zukunftsmodell) sowie der Politik, die zumindest Nachhaltigkeitsstrategien formuliere. Die Zunahme an Diskussionsforen, Tagungen und ExpertInnen-Meetings könnten ein Indiz für den bevorstehenden Wandel sein, so die Hoffnung des Autors: „Breitere und höhere Bildung, mehr Information und Wissen unter Bedingungen von Demokratie und Vielfalt ergeben jetzt, genau jetzt, die größtmögliche Schwungmasse für Transformation.“ (S. 113) Wollen wir es hoffen, ließe sich da nur ergänzen. Wer sich nicht daran stößt, dass die Mehrzahl der Beispiele des Bandes – gemäß dem Untertitel – aus Österreich stammt, findet in der Tat Belege für den sozialen Wandel, auch wenn diese Initiativen es nicht ersparen werden, die politischen Weichen im Sinne einer sozialökologischen Umsteuerung neu zu stellen. Hans Holzinger

Reitan, Claus: Gesellschaft im Wandel. Perspektivenwechsel für Österreich. Wien: Ed. Steinbauer, 2014. 127 S., € 21,80 [D], 22,50 [A] ; ISBN 978-3-902494-70-2