Selbstverwaltete Betriebe leiden allerorts daran, dass sie keine oder nur wenig Eigenmittel besitzen und daher nur schwer an Fremdkapital herankommen. Da herrscht dann vielfach Rat- und Arbeitslosigkeit, obwohl es weder am Rat (sprich Ideen) noch an Arbeit mangelt, sondern schlicht am nötigen Geld. Warum selbstverwaltete Unternehmen mit diesen Problemen zu kämpfen haben, wird aus der Sicht des Bankwesens, der Wissenschaft und betroffener Betriebe selbst beschrieben. Ergänzt werden diese Ausführungen durch Vorschläge und teils schon verwirklichte Modelle, die einen Weg aus der Misere weisen. Exemplarisch genannt seien der »Greater London Enterprise Board«, die GLS-Bank für Leihen und Schenken in Bochum, die britischen »Revolving Loan Funds«, der »Caja Laboral Popular« in Spanien oder auch die ÖKO-Bank: Trotz dieser vielversprechenden Ansätze einer alternativen Geldwirtschaft gelten solche Betriebe immer noch als »Exoten der Entwicklung« und nicht als deren Avantgarde. Tiefgreifende soziale und kulturelle Veränderungen im Zuge der3.lndustrielien Revolution könnten zu einer Umkehrung der gegenwärtigen Praxis führen. Gestützt wird diese Hoffnung auf eine Ablöse der derzeit in starkem Maße arbeitsteiligen Technostrukturdurch einfachere Systeme und auf die Erwartung, dass der umfassende Zugang zu Informationen die hierarchische Arbeitsteilung ablösen wird. Infolge des erhöhten Bildungsniveaus der Gesamtbevölkerung »werden Selbstbestimmung sowie kooperative, sozialintegrative und autonome Werte« das politische und wirtschaftliche Geschehen dominieren.   Die partiellen Erfolge selbstverwalteter Betriebe ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Untersuchung der Deutschen Bundesanstalt für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass die Oberlebenschance solcher Projekte trotz schlechterer Kapitalausstattung und oft schlechteren Managements dem Vergleich mit herkömmlichen Unternehmen standhält. Es gibt zudem auch eine Reihe von selbstverwalteten Betrieben mit positiver Bilanz - z.B. die MID (Möbel- und Industriedesign) in Tirol und die Gesellschaft für Prozesssteuerungs- und Informationssysteme (PSI) in Berlin mit derzeit etwa 300 Mitarbeitern. Betrachtet man die Unerfahrenheit der selbstverwalteten Betriebe im Umgang mit betriebswirtschaftlichem Wissen einerseits und die weitgehende Ablehnung demokratischer Arbeitsformen im Bereich der traditionellen Wirtschaft andererseits, ist es höchste Zeit, dass beide Seiten einen Erfahrungsaustausch anstreben.

Finanzierungsmodelle selbstverwalteter Betriebe. Marlene Kück; Achim von Loesch (Hrsg.). Frankfurt/ Main (u.a.): Campus, 1987. 272 S.