Ob Vogelgrippe, BSE, Klimawandel oder Bioterrorismus – die Öffentlichkeit wird einem Wechselbad von Schreckensnachrichten und Entwarnungen, Dramatisierungen und Verharmlosungen ausgesetzt. Die Folge ist Verunsicherung. Wie hoch sind aber nun die Risiken der modernen Welt wirklich? Darauf suchen Experten zahlreicher Disziplinen wissenschaftlich fundierte und adäquate Antworten. Die so genannte „Risikoforschung“ erlebt seit den 80er Jahren eine beinahe explosionsartige Ausbildung in fast allen wissenschaftlichen Disziplinen. Aufgeschreckt durch das Postulat von der Risikogesellschaft (Beck, 1986) einerseits und andererseits durch wachsenden Technikeinsatz entstand sowohl ein objektiv anwachsender Problemdruck als auch eine zunehmend ausgeprägte soziale Sensibilität. Vorausschauendes Risikomanagement und Sicherheit gegen künftige Gefahren sind zentrale Anliegen nahezu aller Bevölkerungsgruppen. Unter den Bedingungen eines global agierenden Terrorismus erlangen systemische Risiken zusätzliche Brisanz  (S. 9). Vor diesem Hintergrund bedeutet dies für die Zukunftsforschung v. a., die Zukunft so zu gestalten, dass Risiko minimiert wird und antizipativ auf mögliche Gefährdungen hinzuweisen. Im Sinne einer umsichtigen und vorausschauenden Forschungs- und Technologiepolitik wird im vorliegenden Band ein transdisziplinärer Ansatz verfolgt, „bei dem wissenschaftlich generiertes Systemwissen, normatives Zielwissen (auch als Orientierungswissen bezeichnet) und handlungsleitendes Transformationswissen zusammen erarbeitet werden“. Dem Autorenteam gehört neben den Risikoforschern Pia-Johanna Schweizer, Marion Dreyer und Andreas Klinke auch Ortwin Renn, Direktor des zur Universität Stuttgart gehörenden interdisziplinären Forschungsschwerpunkts Risiko und Nachhaltige Technikentwicklung am Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung (ZIRN) an.

 

Zunächst gilt es den Begriff des Risikos in seinen vielfältigen wissenschaftlichen Aspekten zu erfassen und zu bewerten. Es folgen die klassischen Phasen des Umgangs mit Risiken von der Risikoabschätzung bis hin zur Risikokommunikation.

 

Getragen von einer sozialökologischen Perspektive und zurückgehend auf Impulse durch den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“ und das „International Risk Governance Council“ in Genf (IRGC,  2005) wird schließlich ein neuer integrativer Ansatz vorgestellt. Dieser ist transdisziplinär, problemorientiert, praxisbezogen und partizipativ angelegt. Die  Beteiligung der Zivilgesellschaft an Auswahl, Bewertung und Steuerung von Risiken in demokratischen Gesellschaften gilt dabei als unerlässlich.

 

Für den Problem- und Praxisbezug ist es entscheidend, Wissen systematisch zu sammeln und für alle Parteien transparent zu machen. Wissenschaftliches Wissen kann dadurch gesellschaftlich verwendungstauglich gemacht werden, indem die Wissenschaftler Bedürfnisse und Haltungen von Laien bei der Wissensproduktion mitdenken und bereits in die methodischen Untersuchungen und in die Fragestellungen einpassen, hielt schon die renommierte österreichische Wissenschaftstheoretikerin Helga Nowotny fest. Das AutorInnen-Team favorisiert, dieser Empfehlung folgend, diskursive Verfahren einer rationalen, integrativen und vorsorgenden Risikoregulierung mit systematischer Wissensgrundlage und dem Ziel, „mit den Betroffenen eine nachhaltige Entwicklung für die Bewältigung systemischer Risiken anzustreben“ (S. 240). A. A.

 

Risiko. Über den gesellschaftlichen Umgang mit Unsicherheit. Renn, Ortwin … (Mitarb.). München: oekom-Verl., 2007. 271 S., € 24,80 [D], 25,50 [A], sFr 42,20

 

SBN 978-3-86581-067-0