Als junger Wissenschaftler hat Jorgen Randers bereits am ersten Bericht an den Club of Rome (1972) mitgewirkt. Nun, 40 Jahre später, wagt er einen Blick auf die Welt, wie sie in 40 Jahren aussehen dürfte. Nein, eine Vorhersage im Sinne einer wissenschaftlichen Wahrheit bietet der norwegische Zukunftsforscher nicht, aber zumindest eine „wohlbegründete Vermutung“. Sie erlaube es ihm, „sich weniger zu quälen“ und angesichts kleinerer, hoffnungsvoller Fortschritte „mit echter Freude“ anstatt „allgemeiner Trauer“ auf den Lauf der Welt zu blicken“ (S. 30).

Auf seiner Reise in die Zukunft nimmt Randers fünf große Fragen ins Visier: den Kapitalismus (er wird sich verändern, aber weiter bestehen), das Wirtschaftswachstum (es wird sich nach einer Aufwärtsentwicklung der Schwellenländer im globalen Mittel abschwächen), die Demokratie (sie ist in ihrer derzeitigen Form nicht geeignet, den globalen Herausforderungen angemessen zu begegnen und stellt eine der größten Herausforderungen dar), die intergenerationelle Gerechtigkeit und das globale Klima.

Im zweiten Abschnitt vermittelt Randers seine globale Prognose. Einleitend legt er die ihr zugrunde liegende Logik, seine Datenquellen und erkenntnisleitenden Fragen dar, um sich daraufhin einzelnen damit zusammenhängenden Aspekte zuzuwenden. Einige zentrale Befunde: Der Höchststand der globalen Bevölkerungsentwicklung wird in den frühen 2040er-Jahren mit etwa 8,1 Milliarden Menschen erreicht; etwas früher schon wird der Anteil der weltweit Erwerbstätigen wieder abnehmen; das durchschnittliche BIP pro Weltbewohner wird in den nächsten 40 Jahren um ca. 80 Prozent ansteigen, der Konsum insgesamt sich aber abflachen [im Fachjargon „grocline“ genannt, S. 127]; eine Vielzahl neuer und hoher Kosten kommen auf uns zu, etwa für Ressourcen, für ökologische Dienstleistungen (Wasser, Fischproteine), für Schadensbegrenzung früherer technologischer Entwicklungen (AKW-Unfälle) u. a. m. Um all diese Aufgaben zu organisieren, „wird sich der Staat stärker einmischen“, sagt Randers, und damit auch „grünes Wachstum“ fördern.

 

Der Zeitgeist von 2052

 

Zu Mitte des 21. Jahrhunderts werden „fragmentierte Strukturen“ selbstverständlich sein; aufgrund der steigenden Temperaturen wird sich eine mediterrane Allianz zwischen Südeuropa und dem Maghreb herausbilden; für Unternehmen wie für Konsumenten wird „nachhaltiges Produzieren“ eine wesentliche Rolle spielen, und die Chancen stehen durchaus gut, dass es (vielleicht nach einem Dritten oder Vierten Weltkrieg) einen Gerichtshof geben wird, vor dem Regierungen oder Konzerne wegen Verbrechen gegen die Interessen zukünftiger Generationen zur Verantwortung gezogen werden.

In Abschnitt drei, der Analyse, beschreibt Randers zunächst „Motoren der Veränderung“und beantwortet „Acht konkrete Fragen zur Zukunft“, von denen manche interessant („Wird es genügend Arbeitsplätze geben?“ [Ja]), andere aber eher banal erscheinen („Wird Energie teurer?“ [bitte raten!]). Natürlich spekuliert der Autor auch mit dem Undenkbaren und zückt einige „Wild Cards“ (Revolution in den USA, weltweites entschlossenes Vorgehen gegen den Klimawandel). Auf sichereren Boden begibt sich Randers wieder, wenn er mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung weltweit „fünf regionale Zukünfte“ (USA, China, OECD [ohne USA], die Schwellenländer BRISE und den „Rest der Welt“) analysiert und dabei unterschiedliche zentrale Parameter in Kurvendiagrammen darstellt.

Zusammenfassend: Randers hält seine Prognose für „pessimistisch, aber nicht katastrophal“ (S. 373). Sein Rat – der erste von 20 – in Anbetracht dieses Befundes mehr Wert auf Zufriedenheit als Einkommen zu legen, ist einerseits klug, andererseits leichter gesagt als getan. Und auch Randers’abschließender Appell ist wenig ermutigend: „Bitte helfen Sie mit, dass meine Prognose sich als falsch erweist. Gemeinsam können wir eine bessere Welt erschaffen.“ Wer sich dazu (noch) nicht aufraffen mag, dem ist vielleicht mit ein wenig Fatalismus gedient: „Lassen sie sich von der drohenden Katastrophe nicht die Laune verderben. Lassen Sie sich von der Aussicht auf eine suboptimale Zukunft nicht alle Hoffnungen zerstören. (…) Denken Sie außerdem daran: Selbst wenn wir unseren Kampf um eine bessere Welt verlieren, wird es die Welt trotzdem auch in Zukunft geben.“ (S. 404f.) Na also! Walter Spielmann

 

Randers, Jorgen: 2052. Der neue Bericht an den Club of Rome: Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre. München: oekom Verl., 2012. 430 S., € 25,95 [D], 26,70 [A], sFr 36,30 ; ISBN 978-3865813985