"Die Frage ist nicht mehr, ob der Zusammenbruch kommt,  sondern wie wir danach leben werden", meint Johannes Heimrath. Sein Buch "Die Post-Kollaps-Gesellschaft" dreht sich deshalb ganz um die Frage, wie eine Welt nach dem Zusammenbruch aussehen könnte und welche Weichen wir jetzt stellen können und sollten. Der Autor geht von drei möglichen Szenarien aus: Im Szenario „Schrecken ohne Ende“ kommt es durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu einem raschen Totalzusammenbruch. In Szenario 2 „Langsames Siechtum“ sichern sich die Eliten die Ressourcen, fusionieren mit den Staaten und sorgen in den ehemaligen Industrieländern für einen ökologisch vertretbaren Mindestlebensstandard. Die Dritte Welt wird hier fallengelassen, die reichen Nationen schotten sich militärisch ab. Mit grünen Technologien und einem Grundeinkommen tritt die westliche Welt in eine Art Öko-Diktatur ein.

Im dritten Szenario „Eine enkeltaugliche Welt entsteht“ führt der Kollaps zu einem Umdenken, die Ideen und Träume von einer lebensfördernden Welt werden von einer kritischen Masse aufgenommen und setzen sich durch. Aus den Keimzellen der Graswurzelbewegungen der letzten 40 Jahre entsteht das neue Gesellschaftsmodell der "Commonie".Heimrath gibt dem ersten Szenario eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 85 Prozent, gefolgt von Szenario 2 mit 14 Prozent. Bleibt für die Positivutopie nur 1 Prozent. In der Commonie wird in der Vision Heimraths nicht "gewirtschaftet", sondern "gemeinschaftet" – das Schenken ist der Ausgangs- und Bezugspunkt. Empathie wäre in dieser Gesellschaft Grundlage des Zusammenlebens, das Konsensprinzip Grundlage von Entscheidungen.

Der Autor, Herausgeber der Zeitschrift „oya“, in der Projekte eines anderen Wirtschaftens und Lebens vorgestellt werden, argumentiert glaubwürdig, dass die Graswurzelbewegungen nicht den Massenumschwung bringen werden - zu stark wirkt das Festhalten an den alten Paradigmen. Er setzt folgerichtig aber darauf, dass uns diese bereits jetzt auf die Neuanfänge nach dem Kollaps vorbereiten können. Die Zusammenbruchs-These ist freilich umstritten, doch es kann wohl schwer vorausgesagt werden, welche Anpassungsleistungen an sich verändernde Umweltbedingungen dem Kapitalismus zuzutrauen sind. Dazu kommt der Umstand, dass die ökologischen Folgen unseres Zivilisations- und Konsummodells meist nicht die Verursacher treffen. So wird Szenario 2 die leider wohl höchste Eintrittswahrscheinlichkeit haben.

Hans Holzinger

Heimrath, Johannes: Die Post-Kollaps-Gesellschaft. Wie wir mit viel weniger viel besser leben werden - und wie wir uns heute schon darauf vorbereiten können. Scorpio-Verl., 2012. 336 S., 19,95 € (D), 20,60 € (A), sFr 24,00 ISBN 978-3-942166-78-2

Sechs Barrrieren gegen die „Weltverbesserung“

(n. Johannes Heimrath, S. 72f)

1) Was immer mir selbst als richtig erscheinen mag, gilt nicht für alle Menschen.

2) Wesentliche Erfahrungen des Lebens lassen sich nicht übertragen. Sie müssen selbst gemacht werden.

3) Die Fähigkeit und Bereitschaft, ein Übel zu erkennen, es zu artikulieren und an seiner Beseitigung mit vollem Einsatz zu arbeiten, ist in den Industriegesellschaften minimal ausgeprägt.

4) Bloße Prophezeiungen bewirken  nichts, und mögen sie noch so treffend formuliert und mit soliden Daten untermauert sein.

5) Die Mächte, die den Globus beherrschen, sind nicht mit Gutmenschen-Rezepten  zu bändigen.

6) Die Entfaltung einer Alternative ist nicht auf dem weg von Überzeugung und gemeinsamer Anstrengung zu erreichen, sondern nur nach dem Kollaps des alten Systems.