Zu Beginn dieses Jahrtausends hatte sich die Staatengemeinschaft vorgenommen, die Zahl der Hungernden weltweit bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Schon jetzt steht fest, dass dieses Ziel bei weitem nicht erreicht wird und dass die Zahl der Hungernden täglich wächst. Derzeit haben mehr als eine Milliarde Menschen nicht genug auf ihren Tellern und alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung. Kenntnisreich, sachlich und zugleich höchst engagiert beschreibt Jean Feyder, seit 2005 Botschafter und Vertreter Luxemburgs bei den UN und der WTO in Genf, die Gründe der Ernährungskrise (vorrangig begründet in der unersättlichen Gier nach Profit und dem Versagen der Politik), diskutiert gangbare Entwicklungsstrategien zu einer nachhaltigen Landwirtschaft, die das Recht auf Nahrung und den Zugang zu Boden zum Zweck der unmittelbaren Versorgung sichert und die Rolle, die die wichtigsten Akteure (EU, USA, BRIC-Staaten, Transnationale Unternehmen und die Zivilgesellschaft) und deren Interessen (Agrotreibstoff, Biotechnologie und Neokolonialisierung Afrikas) dabei spielen. Der Hunger der Welt, so Feyders Fazit, ist nicht nur ein Skandal, sondern die „Begleitmusik“ für einen unausweichlichen sozialen ökologischen Kollaps, sofern es nicht gelingt, radikal umzusteuern. Wann endlich tun wir, was wir seit langem wissen? W. Sp.

 

Feyder, Jean: Mords-Hunger. Wer profitiert vom Elend der armen Länder? Jean-Claude Juncker (Vorw.). Frankfurt/M.: Westend-Verl., 2010. 336 S., € 24,95 [D], 25,70 [A], sFr 42,40 ; ISBN 978-3-938060-53-7