Globale Gerechtigkeit kann konzipiert werden, argumentiert Charles R. Beitz, weil politische und vor allem ökonomische Machtverhältnisse längst übernational wirken. Norbert Häring hat ein Buch publiziert, das diese Machtstrukturen in den Blick nimmt. Der Volkswirt war lange Jahre Wirtschaftsjournalist und schrieb unter anderem für das deutsche Handelsblatt. Er ist mittlerweile ein renommierter Kritiker des Mainstreams unter den Ökonomen.

 

In seinem Buch beschreibt Häring die Macht der Banken, der Manager, der Monopole, ihre Wirkung am Arbeitsmarkt und im Zusammenspiel von Ökonomie und Staat. Er argumentiert parteiisch. logisch und stützt sich auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen, die er jeweils in Kurzform vorstellt.

 

Häring geht von folgender Machtdefinition aus: Macht ist die Drohung mit und Nutzung von negativen Sanktionen. In der klassischen Ökonomie würden Machtverhältnisse oft unter den Tisch fallen, weil diese von einem „repräsentativen Wirtschaftssubjekt“ ausgehe. Außerdem werde angenommen, dass Märkte Gleichgewichte anstrebten oder im Gleichgewicht sind und dass die Marktteilnehmer vollständige Informationen hätten. Auch diese Annahmen seien geschichtslos oder unrealistisch. (S.6)

 

In der Folge skizziert Häring eine Machthierarchie. Dabei steht die Finanzwirtschaft an der Spitze. Häring meint, dass diese Branche aber nicht nach Marktregeln allein arbeitet, sondern dass Betrug und Desinformation in diesem System eine bedeutende Rolle spielen. Dies illustriert er beispielhaft mit einer Untersuchung über Aktienempfehlungen von Investmentbanken und unabhängigen Analysehäusern. Die Unabhängigen erzielten durchwegs bessere Ergebnisse. Wenn die Empfehlungsliste der Bankanalysten auch Aktion von Unternehmen enthielt, die ihr Arbeitgeber an die Börse gebracht hatte, war die Rendite der empfohlenen Aktien sogar um 22 Prozent schlechter als bei den Unabhängigen. (S. 17)

 

Darüber hinaus gehend, sieht Häring in den Wirtschaftseliten (Manager großer Unternehmen) Akteure, die falsch verstanden wurden. Denn die Annahme, sie würden die Interessen der Eigentümer vertreten, stellt er infrage. Es fehle nicht an Beispielen und Untersuchungen, die zeigen, dass Manager reichlich Spielraum haben, ihre Macht für eigene Zwecke zu nutzen. Dies gelte etwa für Märkte, die von unvollkommenen Monopolen geprägt sind. Hier hätten, argumentiert Häring, viele Anbieter gewisse Preissetzungsmacht. Ineffiziente Unternehmen können so länger überleben und Monopolgewinne erwirtschaften.

 

Häring, Norbert: Markt und Macht. Was Sie immer über die Wirtschaft wissen wollten, aber bisher nicht erfahren sollten. Stuttgart: Schäffer-Poeschl, 2010. 292 S., € 9,95 [D],  10,25 [A], sFr 17,-

 

ISBN 978-3-7910-2986-3