Im Jahr 2005 wurde das Taos Instiute, eine NGO, die sich die Entwicklung und praktische Anwendung von Kommunikationsformen in unterschiedlichen sozialen Kontexten zum Ziel gesetzt hat, von der Nelson Mandela Foundation eingeladen, die Expertise international erfahrener Change- Manager in Südafrika zum Einsatz zu bringen. Angestrebt wurde die prozessorientierte ‚Bearbeitung’zentraler sozialer Herausforderungen wie etwa AIDS, Kriminalität und Armut und die Erstellung eines Werkzeugkastens zur Gestaltung des sozialen Wandels unter Mitwirkung unmittelbar Betroffener. Ein international zusammengesetztes Team erfahrener ModeratorInnen aus Deutschland, den Niederlanden, Brasilien und Südafrika hat sich dieser Aufgabe gestellt und legt mit „Mapping Dialogue“ einen rundum überzeugenden Band von praxiserprobten Instrumenten zur Initiierung sozialen Wandels vor.

Gelingende Kommunikation Im Gegensatz zu manch anderem Handbuch, in dem die präsentierten, in der Mehrzahl auch bekannten Methoden partizipativer Problemanalyse und Lösungsfindung oft auch ausführlicher vorgestellt sind, werden einleitend grundsätzliche Aspekte kommunikativer Prozesse thematisiert. In einem „Dialogue Dictionary“ werden etwa eine Abgrenzung gegenüber anderen Kommunikationsformen (Konsultation, Debatte, Diskussion, Verhandlung, Salon) vorgenommen und Voraussetzungen für das Gelingen aller im folgenden beschriebenen Methoden benannt wie etwa Klarheit über den Zweck des Dialogprozesses, die Bedeutung guter Fragen, das Zusammenspiel von Divergenz und Konvergenz der Meinungsbildung sowie – m. E. besonders wertvoll – die Rolle der ModeratorInnen herausgestrichen. „Facilitators“, wie diese im Amerikanischen treffend heißen, sollten in erster Linie gute Zuhörer, aufmerksam und authentisch sein, zur rechten Zeit die richtigen Fragen stellen können und einen ganzheitlichen Zugang zu der behandelten Thematik haben. Je nach Thema und Persönlichkeit unterschiedlich kann hingegen die Schwerpunktsetzung auf Inhalt und Struktur, die psychologische Begleitung oder die Entscheidung für Einzel- oder Teammoderation ausfallen. Ehe im zweiten Abschnitt des Bandes insgesamt zehn bewährte Methoden partizipativer Beteiligung vorgestellt werden, skizzieren die Verfasser das Spektrum möglicher Rahmenbedingungen, einerseits im Hinblick auf den Zweck des Prozesses (Bewusstseinsbildung, Capacity Building, Problemlösung, Innovation, Entscheidungsfindung, Planung von Strategien und Umsetzung u.a.m.), andererseits auch im Hinblick auf Komplexität, Konfliktpotenzial und Zusammensetzung der Mitwirkenden. Die spezifischen Rahmenbedingungen (und natürlich auch die Vorlieben und Erfahrungen der Moderation) haben entscheidenden Einfluss auf die Wahl der gewählten Methode. Von der „Wertschätzenden Befragung“, dem „Change Lab“ und dem „Circle“, einer Form kollektiver Problemlösung für eher kleine Gruppen, in der die Rolle der Moderation abwechselnd von allen Beteiligten übernommen wird, bis hin zur „Zukunftskonferenz“ (durch die Beigabe eines Zeitplans sehr praxisorientiert vermittelt), dem „Open-Space“ , dem „Scenario Planning“ und dem „World Cafe“ reicht das Spektrum der überwiegend bekannten Instrumente. Kaum noch habe ich diese so klar und praxisorientiert erläutert sowie im Hinblickauf den empfohlenen Anwendungsbereich bewertet gefunden, wie hier. Anregend ist darüber hinaus die Präsentation auch unbekannter( er) Dialogformen wie etwa dem von den Südafrikanern Myrna und Greg Lewis konzipierten „Deep Democracy“-Ansatz, der den abweichenden Voten, den „Nein-Sagern“, besondere Aufmerksamkeit schenkt. Im Folgenden kurz beschrieben sind weitere 13 Module partizipativer Beteiligung. Dabei findet sich Altbekanntes, wie etwa Arne Nees’ Konzept der „Deep Ecology“, neben mutmaßlich Neuem, zu dem für mich u. a. der von dem Physiker David Bohm entwickelte „Böhmische Dialog“ zählt. Dass zu guter Letzt auch der in Botswana weit verbreitete „Lekglota“, eine über Jahrhunderte praktizierte Form kollektiver Beratung, vorgestellt wird, die ohne zeitliche Begrenzung bis zur Lösung des Problems andauert, ist wohl mehr als nur eine Referenz gegenüber dem Auftraggeber. Da viele auch unserer aktuellen Probleme vor allem dem Mangel an Zeit und dem Streben nach quantitativem Wachstum geschuldet sind, könnten wir wohl auch so manches von den traditionellen Kulturen der südlichen Hemisphäre zur Lösung unserer Probleme lernen. Doch das ist, zugegeben, ein anderes Kapitel! W. Sp.

 Mapping Dialogue. Essential Tools for Social Change. Marianne Mille Bojer e. a. Chagrin Falls (Ohio) Ed. Taos Institute, 2008. 145 S. ISBN 978-0-9712312-8-3 www.taosinstiute.net