Punktgenau zur internationalen Finanzkrise kam der Film „Let´s make Money“ von Erwin Wagenhofer – der Dokumentarfilmer ist bekannt geworden mit seinem Streifen „We feed the World“ – in die Kinos; übrigens nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Wagenhofer folgt dem Weg unseres Geldes, dorthin wo spanische Bauarbeiter, afrikanische Bauern oder indische Arbeiter dieses vermehren und dabei selbst bettelarm bleiben. Er zeigt die gefeierten Fondsmanager, die das Geld ihrer Kunden jeden Tag aufs Neue anlegen und Unternehmer, die zum „Wohle ihrer Aktionäre“ ein fremdes Land abgrasen, solange die Löhne und Steuern niedrig und die Umweltbelastung egal ist. Wagenhofer hinterfrägt den gängigen Bankensogan „Lassen Sie ihr Geld arbeiten“. „Arbeiten können immer nur Menschen, Tiere oder Maschinen“, so die Ausgangsthese des Films, der ohne Parolen auskommt, durch die Montage der Interviews jedoch die Brutalität des Systems aufzeigt – die „Wirtschaftsexperten“ entlarven sich selbst! Das Buch zum Film begleitet den Filmemacher auf dieser Reise durch die Finanzwelt, ohne ihm auf Schritt und Tritt zu folgen. Vielmehr eröffnet es vertiefende Zusammenhänge und Hintergründe, die im Film unerklärt bleiben mussten. Etwa die Frage, welche Konsequenzen es für unser Leben hat, wenn die Geldmenge schneller steigt als die Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Anekdotenhaft und leicht verständlich informiert Dohmen – er ist Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung – etwa über die Geschichte des Geldes, über den großen Markt Altersvorsorge, über die Rolle des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank oder auch über das Funktionieren von Steueroasen (Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit 11,5 Trillionen Dollar an Privatvermögen in Steuerparadiesen gehalten werden). Interessant ist auch der differenzierte Blick auf das Mikrokreditwesen. Heute nehmen weltweit rund 200 Millionen Menschen solche Kredite in Anspruch. Neben der Grameen-Bank des Friedensnobelpreisträgers Muhamed Yunus gibt es mittlerweile viele Nachfolgeprojekte, etwa durch den Landsmann von Yunus, Shafiqual Haque Choudhury, der in den 1980er-Jahren begann, die Entwicklungshilfeorganisation Asa in eine Mikrokreditbank umzuwandeln.

Nachhaltige Finanzpolitik

Auswege aus dem Finanzdschungel sieht der Wirtschaftsjournalist Caspar Dohmen zunächst in der Eigenverantwortung, wenn wir selbst entscheiden, wo und wofür das Geld angelegt wird. „Entschieden sich genügend Menschen für eine nachhaltige Vermehrung ihres Geldes, würde sich die Wirtschaftswelt positiv verändern.“ (S. 178) Für den Autor gilt es dabei, drei Bereiche zu berücksichtigen, das Naturkapital, das Sozialkapital sowie das Wirtschaftskapital. „Nachhaltigkeit wäre dann sichergestellt, wenn man die Wirtschaft an Standards wie Substanzerhaltung, Lebensqualität und Gerechtigkeit ausrichten würde.“ (S. 179) Dazu müsste sich aber jeder Anleger zuerst Transparenz hinsichtlich seiner Geldanlagen verschaffen. Als positives Beispiel dafür sieht Dohmen die GLS Bank, bei der jeder Kunde aus einer Palette von möglichen Aktivitäten wie regenerative Energie, soziale Wohnprojekte, Heilpädagogik oder Kultur auswählen und entscheiden kann. Noch aber ist es, so der Autor, schwierig, sein Geld mit gutem Gewissen anzulegen. Positiv genannt werden Fonds, die den „Best-in-class“-Ansatz verfolgen, d. h. sie wählen jeweils die im Hinblick auf Nachhaltigkeit besten Unternehmen einer Branche aus. Als vorbildlich gilt hier der von Dohmen zitierte Naturaktienindex NAI des Wiener Ökospezialisten Max Deml, der 30 Werte umfasst. Insgesamt – und hier sieht sich der Autor einig mit den Verfassern der übrigen vorgestellten Neuerscheinungen – brauchen Finanzmärkte ebenso wie die Wirtschaft einen Ordnungsrahmen sowie eine wirksame Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden. Sinnvoll wäre etwa eine einheitliche Aufsichtsbehörde in der EU sowie der Vorschlag über die Zulassung neuer Finanzprodukte eine Kommission entscheiden zu lassen, den Joseph Stiglitz bei einer Konferenz von Wirtschaftsnobelpreisträgern im Sommer 2008 gemacht hat. (vgl. S. 186). Nicht zuletzt, so Dohmen, brauchen wir eine Vorstellung davon, wie die Welt von morgen aussehen soll. Film und Buch tragen jedenfalls dazu bei, zu verstehen, „dass eine Veränderung auf den Finanzmärkten auch mit uns selbst zu tun hat“. (Erwin Wagenhofer im Buch S. 198) A. A.

 

Dohmen, Caspar: Let‘s make Money. Was macht die Bank mit unserem Geld. Das Buch zum Film. Freiburg: organgepress, 2008. 221 S., € 20,- [D], 20,60 [A], sFr 34,- ISBN 978-3-936086-41-6