In „Kaputtalismus“ fragt Robert Misik, ob der Kapitalismus sterben wird, und wenn ja, ob uns das glücklich machen würde? Und er rechnet vor, dass es schlecht um den Kapitalismus steht. Drei Krisentendenzen stehen im Mittelpunkt. Erstens: „Wir haben gesehen, wie mit immer mehr schuldengetriebener Stimulierung gerade noch ein wenig Prosperität angekurbelt wird, aber viel zu wenig, um jemals diese Schuldenstände wieder reduzieren zu können, ohne dass es zu dramatischen Katastrophen kommen würde.“ (S. 199) Zweitens: Gleichzeitig konzentrieren sich Einkommen und Vermögen immer mehr in den Händen weniger und stellt Ungleichheit die Stabilität der Gesellschaften in Frage. Drittens: Der Charakter vieler neuer Produkte basiert weniger auf Materialien und Arbeit pro einzelnem Stück. Das Produkt ist Information, diese immer wieder zu vervielfachen kostet fast nichts mehr. „Irgendwann – und zwar recht bald, wird Vieles nichts mehr kosten, aber wo kein Preis, da kein Profit.“ (S. 200)

Besonders spannend wird es, wenn Misik sich überlegt, was nach dem Kapitalismus kommen könnte. Seine Ideen dafür scheint er vor allem in Griechenland gesammelt zu haben. Er erzählt Episoden von verschiedenen Formen einer neuen Ökonomie, die sich in Griechenland ausbreitet. „Es entsteht (…) ein ganzer Sektor, der aus Start-ups besteht, aber auch aus Kooperativen, aus landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften bzw. Konsumgenossenschaften, oder überhaupt aus Hilfsprojekten wie den Solidaritätskliniken, in denen Ärzte gratis jene Leute behandeln, die keine Krankenversicherung haben.“ (S. 203) Misik spricht dann auch über Tauschringe, Zeitbanken, neue Genossenschaften, alte erfolgreiche Genossenschaften und über Tendenzen der Dezentralisierung in der Energieproduktion. Er fragt: „Wie kann man die Ökonomie langsam so verändern, dass mehr und mehr dezentrale, selbst verwaltete Firmen, Kooperativen und Initiativen eine zunehmend wichtigere Rolle spielen, dass am Ende eine gemischte Wirtschaft aus privaten Firmen, Staatsunternehmen und Kooperativen sowie alternativen Wirtschaftsformen steht.“ (S. 208)

Bei Amazon kaufenMisik, Robert: Kaputtalismus. Berlin: Aufbau-Verl., 2016. 224 S., € 16,95 [D], 17,50 [A] ISBN 978-3-351-03635-5