Gundula Englisch JobnomadenMit dem Zeitalter der Globalisierung, Digitalisierung und Individualisierung ist eine neue Kultur der Beweglichkeit entstanden, die bislang fest verankerte Strukturen aufbrechen und sowohl das Arbeits- als auch Privatleben der Menschen grundlegend verändern wird. Für die Journalistin und Filmemacherin Gundula Englisch wird die moderne Lebens- und Arbeitswelt „eine Welt voller Jobhopper, Beziehungsnomaden, Cyber-Kosmopoliten, Grenzgänger und Wanderexistenzen“ (S. 10) sein.


Die Autorin sieht in den kommenden Veränderungsprozessen sowohl Licht- als auch Schattenseiten und gibt insbesondere zu Bedenken, dass vor allem die bisher gewohnten ökonomischen, sozialen und geistigen Orientierungsrahmen infrage gestellt werden. Dieser Herausforderungen müssen wir uns aber stellen, damit, so Englisch, Zukunft nicht nur Schicksal, sondern auch aktive Gestaltung wird. Die Lebens- und Denkformen der Nomaden scheinen ihr insofern hilfreich, als die nomadischen Strategien und Anpassungen vielen Menschen über Jahrhunderte das Überleben gesichert haben. Englisch sucht ihre Antworten anhand von Beispielen und Vorbildern in der Lebens- und Arbeitswelt der Gegenwart, in Firmen, Initiativen, Biografien und anderen Kulturen.


Zunächst beleuchtet sie das Spannungsverhältnis zwischen sesshaften und nomadischen Lebensweisen sowie wirtschaftliche Umfeld einer nomadischen Ökonomie (von den LETS – den „Local Exchange Trading Schemes“ – bis zur Macht der „Verbraucherklans“). „Der besinnungslose Kaufrausch des Konsumzeitalters“, so die Autorin, „geht seinem Ende entgegen.“

Das alte Modell der Erwerbsgesellschaft hat ausgedient. Mehr und mehr trägt heute zur Existenzsicherung nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch Bildungs- und Be-ziehungsarbeit und v. a. die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit bei. Die Arbeitskultur der „Jobnomaden“ setzt auf das offene Miteinander aller Beteiligten über Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg. In Europa steckt diese Szene, die vorwiegend in Form von Projektarbeit (www.telinex.com) abgewickelt wird, allerdings noch in den Kinderschuhen.


Was nun das Privatleben der Jobnomaden anbelangt , gestaltet es sich als Balanceakt zwischen Berufs- und Privatleben, zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Sachzwängen und Selbstverwirklichung. Auch der gesellschaftliche, soziale und politische Kontext in einer Welt ohne Grenzen, so Englisch, wird verkrustete Politikverhältnisse aufbrechen und neue Wege des Bürger-Engagements (z. B. die „Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen“) eröffnen. Der Zukunftsforscher Daniel Bell habe bereits 1976 erkannt, dass „der Nationalstaat für große Dinge zu klein und für kleine Dinge zu groß“ ist. Künftige Entscheidungen würden daher primär in weltumspannenden Netzwerken und zweitens auf lokalen und regionalen Ebenen getroffen.


Abschließend nimmt uns die Autorin mit auf eine fiktive Zeitreise in das Jahr 2020, um uns im Zeitraffer die Ereignisse seit der Jahrtausendwende vorzuführen und zu zeigen, wie die bewegte Lebens- und Arbeitswelt von morgen gestaltet und gemeistert werden kann. A. A.

Bei Amazon kaufenEnglisch, Gundula: Jobnomaden. Wie wir arbeiten, leben und lieben werden. Frankfurt/M. (u. a.): Campus-Verl., 2001. 223 S., € 22,30 / DM 42,- / sFr 38,70 / öS 307,-