»Wirtschaft und Gesellschaft sind in ihrer Entwicklung auf unabsehbare Zeit durch den Zwang zur Schuldenbedienung bestimmt. Lediglich die Bezieher hoher Einkommen und die wenigen mehr oderweniger erfolgreichen Schwellenländer bleiben als Absatzmärkte für Konsum- und Investitionsgüter interessant. Im Übrigen werden gegenwärtig aber die Entscheidungen über wirtschaftliche Aktivitäten, die Verwendung der Ressourcen und die Verteilung der Produktionsergebnisse noch stärker jeder nationalen Kontrolle entzogen. Die vom internationalen Währungsfond mit dem Knüppel der Gewährung oder Verweigerung weiterer Kredite erzwungene Öffnung setzt die Entwicklungsländer schutzlos der geballten Macht der transnational operierenden Länder aus. Der Abfluss ökonomischer Substanz, der inzwischen Dimensionen angenommen hat, die selbst in Bank- und Wirtschaftskreisen des Nordens als besorgniserregend geiten, geht weiter.« Soweit die Negativ-Einschätzung der politisch-ökonomischen Lage der Dritten Welt durch einen der Autoren, der stellvertretend für die in diesem Buch dargelegten Analysen und Diagnosen zitiert werden kann. Der Verschuldung der Dritte-Welt-Staaten, die aufgrund der aggressiven Kreditpolitik in den 8Oer-Jahren zu einem Emporschnellen der Verschuldungen und zur Zahlungsunfähigkeit so manchen Landes geführt haben, wird als Folge einer ungerechten Weltwirtschaftsordnung (etwa Niedrigpreise bei Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten) beschrieben. Das Buch gibt U.8. einen Überblick über die Entwicklung der Schuldenkrise, beschreibt ihre Entstehungsbedingungen und gescheiterte Versuche des Krisenmanagements, erörtert die besondere Rolle des Internationalen Währungsfonds als »Krisenmanager« bzw. -prolongeur«, stellt gesondert die Verstrickungen der USA und der BRD heraus, greift aber auch grundsätzlichere Aspekte wie das Scheitern herkörnmllcnerEntwicklungsmodelle und -praktiken (»Modernisierungstheorien«) auf. Zuletzt geht es um »Auswege aus dem Teutelskrels-. Bemerkenswert sind dabei u.a. die sich mehrenden Stimmen in den USA, die im Interesse der eigenen Volkswirtschaft für einen generellen »Schuldsnerlaß- plädieren, um so dem Kaufkraftverlust der lateinamerikanischen Länder entgegenzuwirken. Weiters werden konkrete Fallstudien - ökonomisch und geographisch gestreut vorgestellt. Dazu gehören u.a. Brasilien, Philippinen, Staaten des realen Sozialismus, Portugal, Südamerika und die Gruppe der »Ärmsten« (»4. Weit«). Die 25 Autor(inn)en des Werkes geben einen umfassenden Einblick in die ökonomischen, politischen und sozialen Zusammenhänge der Verschuldung der Dritten Welt, wobei das Problem nicht als ökonomisch-technisches, sondern als strukturelles, der gegenwärtigen Welt(wirtschafts)ordnung immanentes begriffen und analysiert wird. Monokausale Erklärungen oder Schuldzuweisungen werden vermieden. Ursachen in den Entwicklungsländern selbst wie Despotismus, ökonomische und politische Unterdrückung der Bevölkerungsmehrheiten oder immense Militärausgaben kommen zur Sprache. 

Die Armut der Nationen. Handbuch zur Schuldenkrise von Argentinien bis Zaire. Hrsg. u. Elmar Altvater (u.a.). Berlin: Rotbuch, 1987. 298 S.