Die “Fragmentierung globalen Regierens“ eröffnet nach Ansicht der AutorInnen durchaus Chancen, etwa wenn sich im Gefolge der UN-Milleniumsziele Stiftungen in Public Private Partnerships in der Armutsbekämpfung engagieren oder wenn Anstrengungen zu neuen Wirtschaftsregulierungen unternommen werden, wie die aus dem G8-Zusammenhang entstandene „Extractive Industry Transparency Initiative“ oder die maßgeblich von den G20 ausgehenden Bestrebungen zur Reform des Internationalen Währungsfonds in der Finanzkrise 2007/2008. Zugleich berge ein „Weltregieren á la carte“ aber Risiken: Partikularinteressen können in den Vordergrund treten, die Vielzahl an Initiativen und Formaten könne zu unnötigen Transaktions- und Kommunikationskosten führen. Begünstigt würde zudem eine Art „Forum shopping“, bei dem die Akteure immer wieder nach der Institution mit der für sie günstigsten Lösung suchen (S. 14). Die Globalen Trends 2013 geben profunde Analysen und sie scheuen sich auch nicht, Vorschläge für Zukunftslösungen zu unterbreiten. In insgesamt 20 Beiträgen erörtern ausgewiesene Experten und Expertinnen Themen wie die Informalisierung der Weltpolitik, den Aufstieg neuer Mächte, den Wandel der staatlichen Souveränität, die Frage von Gewaltkonflikten und militärischen Interventionen oder die Chancen und Grenzen von Demokratisierung. Es werden „Lehren aus dem arabischen Frühling  gezogen“, die Chancen digitaler Medien ausgelotet („Revolution 2.0?“) sowie neue Herausforderungen an das Völkerrecht angesichts moderner Formen der Sklaverei (Menschenhandel) analysiert. Neben „Frieden“ und „Entwicklung“ gilt „Globale Nachhaltigkeit“ als dritter Schwerpunkt des Bandes. Dabei geht es um Aspekte wie „Ölressourcen als Machtmittel“, „Wege zu einer nachhaltigen Energieversorgung“, „Ernährungssicherung als globale Herausforderung“ oder „Landnutzungswandel als neuer Konfliktherd“. Selbstredendist auch der Weltklimapolitik als „Sisyphus-Aufgabe der Weltgesellschaft“ ein Kapitel gewidmet. So wird der limitierende Faktor für die globale Energieversorgung im 21. Jahrhundert nicht im Versiegen der fossilen Energierohstoffe, sondern in der notwendigen Eindämmung des Klimawandels gesehen. Kurz gesagt: die Herausforderung besteht darin, gar nicht alle verfügbaren fossilen Ressourcen zu verfeuern. Gestützt auf die neueste internationale Fachliteratur und auf eine Vielzahl von Daten aus einer Reihe von internationalen Berichten und Analysen geben die Beiträge fachlich fundierte Informationen, illustriert mit anschaulichen Grafiken und Tabellen. H. H.

 

 Globale Trends 2013. Frieden, Entwicklung, Umwelt. Hrsg. v. Stiftung Entwicklung und Frieden, Institut für Entwicklung und Frieden. Frankfurt: Fischer 2012. 351 S., € 16,99 [D], 17,50 [A], sFr 23,50 ISBN 978-3-596-19423-0