Die Reaktionen auf die Finanzkrise waren eine beispiellose Ausgaben- und Verschuldungs-Orgie, mit der man „eine noch größere Ladung jenes Pulvers verschießt, mit welchem die vorangegangenen Ungleichgewichte und Übertreibungen erst geschaffen wurden“ (S. 140f.), meint Roland Baader, Diplom-Volkswirt und Hayek-Schüler in seiner Bewertung der Wirtschaftskrise. Er nennt die Rettungspakete in Billionenhöhe eine Superblase. „Wenn sie platzt, kann die Menschheit nur noch beten.“ (S. 140) Für ihn steht fest, dass damit die finanziellen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Schäden um ein Vielfaches größer werden. Den Einsturz des Finanzsystems mit astronomischen Summen aufhalten zu wollen, bedeutet s. E. nichts anderes als Kapitalvernichtung in ungeheurem Ausmaß. Die Folgen sind fatal wie beispielsweise die „Zwangsüberschuldung ganzer Generationen zugunsten verschwenderischer Bankrotteure, die millionenfache Subventionierung sinnloser Tätigkeiten zu Lasten unterbleibender effizienter Arbeitsleistungen – und nicht zuletzt die schleichende Sozialisierung der Wirtschaft und den mit dem Etikett ‚Notwendige Kontrollen‘ getarnten Marsch in den totalen Staat.“ (S. 142). Um seine Ansichten zu belegen, zitiert der Autor 12 Kenner der Materie, die alle in dieselbe Richtung argumentieren.

 

 

 

Friedrich A. von Hayek

 

Baader hat seinem 2004 veröffentlichen Buch über F. A. Hayek den Untertitel „Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise“ gegeben. Im aktuellen Band veranlasst ihn die durch die aktuelle Weltverschuldungs-Krise ausgelöste Angst vor totalitären Geboten und Verboten, an die Gedanken und Ideen von Friedrich A. von Hayek zu erinnern. Hayek gilt im Gegensatz zu John Maynard Keynes, der für staatliche interventionistische Maßnahmen eintrat, als Vertreter sich selbst regulierender Systeme in der Wirtschaft. Für Hayek bestand der einzige Weg zu verhindern, dass man durch andauernde Inflation in eine zentral gelenkte Wirtschaft hineingleitet, darin, den Regierungen die  Macht über das Geld zu entziehen. Der Staat blieb nach dieser Einschätzung eine ständig drohende Gefahr für Verfälschungen und für Eingriffe in das System konkurrierenden Privatgeldes (vgl. S. 158).

 

Die Zeit, die uns für Änderungen des Geldsystems bleibt, so Baader, ist nicht mehr kurz, sondern sie ist abgelaufen. „Was noch möglich sein könnte, ist das Zulassen alternativer Zahlungsmittel inmitten der zusammenbrechenden Welt des fiat money – gewissermaßen als Schutzbunker zwischen den Trümmern der einstürzenden Babylonischen Türme des Finanzsystems aus staatlichem Zwangsgeld.“ (S. 160)

 

Abschließend schwärmt der Autor vom „free banking“, einem Geldsystem ohne Zentralbank, bei welchem die Ausgabe von Bargeld und Depositengeld Privatbanken überlassen wird.

 

Der freie Markt versprach einst „Wohlstand für alle“, dieses Versprechen verblaßt zusehends und weicht angesichts der Wirtschaftskrise einer neuen Verschärfung der sozialen Gegensätze zwischen Gewinnern und Verlierern dieses freien Wettbewerbs (Stichwort Prekarisierung der Arbeitswelt). Das blinde Vertrauen in den „freien“ Markt hat inzwischen doch viel von jenem Glanz verloren, den einst Friedrich A. von Hayek theoretisch zu begründen hoffte. A. A.

 

Baader, Roland: Geldsozialismus. Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression. Gräfelfing: Resch, 2010. 166 S., € 13,90 [D], 14,30 [A], sFr 23,60

 

ISBN 978-3-935197-57-1