Der Klimawandel und schwindende fossile Energieträger machen also, wie wir gesehen haben, ein Umdenken unumgänglich. Am Umstieg auf erneuerbare Energie führt kein Weg vorbei. Erstaunlich ist, dass damit eigentlich sehr alte Energieträger, nämlich Wasser, Wind, Sonne und Biomasse, eine Renaissance erleben. Nicht alle der heute propagierten alternativen Energieformen sind aber eine echte Lösung. Eine Beraterin für Entscheidungsträger gibt im vorliegenden Band Auskunft über Chancen und Grenzen, wirtschaftliche Folgen, Techniken und die Rolle der Erneuerbaren in der Zukunft.

 

Zunächst einige Zahlen: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums haben erneuerbare Energien im Jahr 2009 mehr als zehn Prozent  zum deutschen Endenergieverbrauch beigetragen (240 Mia. kWh). Ihr Anteil betrug 16 Prozent des Stromverbrauches, 8,4 Prozent der Wärme und 5,5, Prozent des Kraftstoffverbrauchs. Insgesamt wurden, so Christine Wörlen in der Einleitung, 2009 in Deutschland 17,7 Mia. Euro in neue Anlagen investiert. Der Anteil der Erneuerbaren am Energieverbrauch steigt. Zwar decken Erdöl und Erdölprodukte sowie Erdgas heute noch über 50 Prozent des Weltenergiebedarfs, doch gehen viele Experten davon aus, dass bereits etwa die Hälfte des existierenden Öls gefördert wurde. „Die Nutzung fossiler Energien ist verantwortlich für 65 Prozent der Treibhausgasemissionen“, ein Großteil davon könnte vermieden werden, so die Autorin. Auch im Bereich der Energiesicherheit sind die „Erneuerbaren“ vorzuziehen nach dem Motto: Sauber, lokal und klimafreundlich. (vgl. S. 10) Die Energieexpertin versucht, Antworten auf die Frage zu finden, ob erneuerbare Energien die fossilen Rohstoffe in unserem Energieverbrauch wirklich ersetzen können. Nach einer Beschreibung der wichtigsten Technologien für die Wärme- und Stromerzeugung (Kollektoren, Solarthermische Kraftwerke, Wärmepumpe, Biomasse, Hackschnitzel, Pellets, Biogas sowie der umstrittene Biodiesel aus Pflanzenöl, Tiefengeothermie, Windkraft und Wasserkraft) werden Vor- und Nachteile ihrer Einbindung in unsere Lebenswelten diskutiert. Dabei hält Wörlen fest, dass die erneuerbaren Energietechnologien in Zukunft mit zunehmender Marktdurchdringung und Produktreife erschwinglicher werden.

 

 

 

World Energy Outlook

 

Ein Ausblick auf die zukünftigen Möglichkeiten zeigt nach dem BMU-Leitszenario des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, dass bis zum Jahr 2050 an die 54 Prozent der Endenergie in Deutschland in allen drei Verbrauchssektoren (Wärme, Strom, Verkehr) von erneuerbaren Energien bereitgestellt werden wird. 2020 sind es noch 22 Prozent, immerhin zwei Prozent mehr als die EU fordert. Das heißt aber auch, dass bezogen auf die Endenergie der Gesamtenergieverbrauch um etwa ein Drittel sinken muss. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht in einer eigenen Prognose bereits für 2020  in der Stromversorgung einen Anteil an erneuerbarer Energie von 47 Prozent vor.

 

„In ihrem World Energy Outlook 2009 gesteht die IEA (Internationale Energie-Agentur in Paris) zu, dass die modernen Energietechnologien Wind, Solar, Geothermie, Wellenenergie und Biomasse auch in ihrem Grundszenario nunmehr die schnellsten Wachstumsraten von allen Energietechnologien aufweisen.“ (S. 121). Die IEA glaubt aber auch, dass 2030 doppelt große Kohlekapazitäten am Netz sein werden wie 2007. Zu Beginn des Jahres 2010 nahm übrigens die International Renewable Energy Agency (IRENA)  die Arbeit auf und soll Regierungen beim Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützen. Insgesamt betont die Autorin in Anlehnung an die Studie „Modell Deutschland“, müsse sehr stark auf Energieeffizienz gesetzt und viel mehr in moderne Anlagen investiert werden. Nach dieser Studie werden im Jahr 2050 sechzig Prozent der Wohnflächen nur mehr mit regenerativen Energien (Solar, Holz oder Wärmepumpen) beheizt werden.

 

Abschließend räumt die Autorin ein, dass insbesondere die technischen Entwicklungen heute noch nicht absehbar seien, etwa bei der Thermoelektrik, der Entwicklung neuer Werkstoffe oder der Wellenenergie. A. A.

 

Wörlen, Christine: Erneuerbare Energien. Wissen, was stimmt. Freiburg i. Br., Herder, 2010. 128 S., € 8,95 [D], 9,20 [A], sFr 15,90

 

ISBN 978-3-451-06215-5