Versuche mit der Kernfusion erregen in letzter Zeit immer wieder die Gemüter. Das vorliegende Buch zeigt auf dass die Idee der Fusion älter ist als die der Kernspaltung. und dass sie für eine künftige Energiepolitik von großer Bedeutung sein kann. Kernfusion ist eine Erfindung der Natur, alle unsere Fixsterne, einschließlich der Sonne, gewinnen ihre Energie aus diesem Prozess. Bei der Fusion zweier leichter Atomkerne zu einem Kern mittlerer Ordnung wird Energie freigesetzt, vor allem Bewegungsenergie. Diese lässt sich in andere Energieformen umwandeln und nutzen. Wasserstoffbomben, die 1952 erstmals mit verheerender Sprengkraft detonierten, beruhen auf dem Prinzip der Kernfusion, allerdings der nicht kontrollierbaren. Bereits 1953 wurde allerdings in den USA eine "Stellarator" genannte Einrichtung eröffnet, die kontrollierte Fusionsexperimente erlaubte. Doch erst am 9. November 1991 wurde in Culham/GB zum ersten Mal Energie aus kontrollierter Kernfusion in relativ großer Menge (2 Megawatt) für zwei Sekunden gewonnen. . . Karamanolis stellt die verschiedenen Möglichkeiten der Fusion in leichtverständlicher Form vor und beleuchtet die verschiedenen Forschungsvorhaben in Europa, Japan und den USA. Von der technischen Entwicklung her kann Fusionsenergie möglicherweise in etwa 60 Jahren zur Verfügung stehen. Dazu, so Karamanolis, sind allerdings 100-150 Milliarden Dollar an Forschungsgeldern notwendig. Im Vergleich zu Kernspaltungsreaktoren weisen Fusionsreaktoren ein wesentlich geringeres Gefährdungspotential auf. Das Durchbrennen eines Reaktors ist ausgeschlossen, da es vorher zum Stillstand der Fusionsreaktion kommen würde. Auch beinhaltet die Brennkammer jeweils nur Brennstoff für etwa 10 Sekunden. Darüber hinaus produzieren Fusionsreaktoren keine spaltbaren Produkte, die vorhandenen radioaktiven Substanzen weisen ein relativ geringes biologisches Gefährdungspotential auf, bedürfen aber einer sorgfältigen Behandlung. Der Autor empfiehlt abschließend, angesichts der verbleibenden Gefahren künftiger Fusionsreaktoren, die Verschmelzungsenergie nicht in den Mittelpunkt einer Weltenergie-Konzeption zu stellen, sondern vielmehr der Sonnenenergie absoluten Vorrang einzuräumen. R. M.

Karamanolis, Stratis: Heißer als die Sonne. Energie aus Kernfusion? München: Elektra, 1992, 182 S., DM 29,80/ sFr 25,30 / öS 232,40