Wie wollen wir in Zukunft sinnvoll arbeiten, gut leben und gerecht zusammenleben? Antworten auf diese Fragen, vor allem mit Blick auf das zukünftige Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft, versuchen fünf namhafte Autoren, die bei einem vom Institut für Wirtschaftsethik an der Univ. St. Gallen realisierten Vortragszyklus zu Gast waren.

Die Herausgeber der Dokumentation, P. Ulrich und Th. Maak, beschäftigen sich in ihrem einführenden Beitrag mit den normativen Orientierungsideen einer lebensdienlichen Ökonomie. Beide favorisieren ein republikanisch-liberales Leitbild der Einbindung der Wirtschaft in die Bürgergesellschaft. In ihrem Verständnis von einem wirklichen „Dritten Weg zwischen marktgläubigem Wirtschaftsliberalismus einerseits und staatsgläubigem Realsozialismus andererseits“ (S. 19) wird der Bürgerfreiheit grundsätzlich Vorrang vor der Marktfreiheit eingeräumt.

Horst Afheldt zeigt eindrucksvoll, dass in einer Weltwirtschaft, in der das vagabundierende Großkapital nichts mehr produziert außer sich selbst, zunehmend wenige von der Wohlstandssteigerung profitieren. Der Soziologe Richard Sennet beschäftigt sich mit dem „System des neuen, flexiblen Kapitalismus“, der für ihn das fragwürdige Ideal des „flexiblen Menschen“ postuliert. Wie jede andere soziale Konstruktion kann aber, so seine feste Überzeugung, dieses System verändert werden, wir müssen nur immer wieder „die Legitimationsfrage stellen und die fortwährende ‚Freisetzungen’ von Mensch als das entlarven, was sie sind: eine neue Form der Unterdrückung durch politisch-ökonomische Praktiken“ (S. 104).

Claus Offe   er lehrt am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität in Berlin   interessiert v. a. die Frage, wie eine gelungene Integration von staatlicher Organisation, Marktwettbewerb und bürgergesellschaftlichen Zusammenschlüssen aussehen könnte. Eine Kultur der Zivilität kann seiner Ansicht nach nur in der ständigen Umgestaltung, Neujustierung und Feinabstimmung eines komplexen und angemessenen Mix aller Bausteine sozialer Ordnung (Demokratisierung, Globalisierung, Postmodernismus) ermöglicht werden. Der Philosoph Axel Honneth beschreibt verschiedene Formen (emotionale, rechtsförmige und solidarische) gesellschaftlicher Anerkennung. In Zukunft, so seine Einschätzung, wird es in wachsendem Maß Kämpfe um Anerkennung geben, „die sich auf die institutionalisierten Definitionen und Maßstäbe der sozialen Wertschätzung beziehen, durch die geregelt ist, welche Tätigkeiten und Fähigkeiten überhaupt symbolische und materielle Anerkennung erhalten“ (S. 150). Schließlich entwirft Jürgen Habermas vor dem Hintergrund der Globalisierung eine weltbürgerliche, supranationale Alternative zur, wie er es nennt, „aufgesetzten Fröhlichkeit einer neoliberalen Politik“. „Das Fernziel müsste sein, die soziale Spaltung und Stratifikation der Weltgesellschaft ohne Beeinträchtigung der kulturellen Eigenart schrittweise zu überwinden.“ (S. 171) A. A.

Die Wirtschaft in der Gesellschaft. Perspektiven an der Schwelle zum 3. Jahrtausend. Hrsg. v. Peter Ulrich ... Bern (u. a.): Haupt, 2000. 174 S. (St. Galler Beiträge zur Wirtschaftsethik; 27) DM 39,- / sFr 35,- / öS 285,-