Namhafte Autoren nehmen zur Frage Stellung, ob die Medien die Wirklichkeit abbilden oder eine eigene Wirklichkeit schaffen. Einleitend geht der Herausgeber davon aus, dass den sich explosiv entwickelnden elektronischen Medien der Zwang anhaftet, das Verhältnis der Konsumenten zur Wirklichkeit zu verändern. Klassisches Beispiel dafür ist Orson Welles Nachrichten-Hörspiel "Krieg der Welten". Am Beispiel des Geiseldramas in Larnaka schildert er, dass wir in der Ferne oft der Wirklichkeit näher sind als der Reporter, der hingefahren ist und nicht an den entführten kuwaitischen Jumbo herankam. Die Inszenierung der Wirklichkeit im Film "The Day After" ermöglicht es zu erleben, was wir eigentlich nicht überleben könnten. In Woody Allens "The Purpie Rose of Cairo" wurde die Diffusion der Ebenen von Alltagswirklichkeit und inszenierter Medienwirklichkeit meisterhaft dargestellt. Die Konturen zwischen Abbildung, Nachbildung und Einbildung verschwinden, die Kriterien "wahr" und "falsch" sind nicht mehr anwendbar. Für G. Bettetini zeigen die Massenmedien gegenwärtig "ein gehöriges Maß existentieller Selbstgenügsamkeit und Autonomie gegenüber der Wirklichkeit". "Wahrheit wird zu einem vertrauensvollen Übereinkommen über das, was für ‚wahr’ gehalten werden kann, dem die (... ) Gesprächspartner zustimmen, weil die relativen Wirkungen, die das Sprechen hervorbringt, annehmbar scheinen." Zuweilen dient die Nachbildung auch einem guten Zweck: Will für einen kritischen Umweltbeitrag der Schmutz im Bach nicht telegen ins Bild, wird dieser Mangel mit Flüssigseife behoben.  

Die Welt als Medieninszenierung. Wirklichkeit, Information, Simulation. Thomas, Hans (Hrsg.). Herford: Busse + Seewald, 1989. 203 S., DM 18,50/ sFr 15,70/ öS 144,30