Kollektiv erstellte Netzinhalte (User Generated Content) werden heute selbstverständlich als Wissensquelle herangezogen. Über diesen digitalen Wandel der Wissenskultur äußert sich Daniela Pscheida überaus kritisch. Zwar kämen Plattformen wie Wikipedia dem wachsenden Bedürfnis nach aktueller, rasch verfügbarer Information entgegen, darunter leide aber die Objektivität und Verlässlichkeit dieser Wissensinhalte. Denn die sich im Netz entwickelnde „Wissenskultur der Amateure und Laien“ zeigt sich für die Autorin in einem eklatanten Missverhältnis „zwischen den Einschätzungen der Vertreter klassischer Institutionen der Wissensvermittlung und Bildung (Schule und Universität) sowie dem Handeln der nachwachsenden Generation der dazugehörigen Schüler und Studierenden“ (S. 457). Pascheida hält auf Sicht die Ablösung des Wahrheitsmodells durch das Konsensmodell in der Wissensgesellschaft für nicht ausgeschlossen. Dieser elementare wissenskulturelle Wandel lasse sich, so die Autorin, bereits unter dem spezifischen leitmedialen Einfluss des Internet im Allgemeinen sowie des Web 2.0 im Speziellen ausmachen. „In dieser Situation des ‚geistigen Nomadentums’ werden auch Wissenstransferprozesse im bisher bekannten Sinne obsolet“ (S. 469), so die drastische Einschätzung der Expertin. In einer derartigen Wissenskultur würde jede noch so subjektive Behauptung ein potenzielles Wissensangebot darstellen, „welches im egalitären öffentlichen Diskurs konsensuell und situativ angenommen oder aber verworfen werden kann“ (S. 469). Pscheida bezweifelt jedoch, dass die Öffentlichkeit schon zur Übernahme der dafür notwendigen wissensbezogenen Eigenverantwortlichkeit und zur Überwindung des klassischen Wissensmodells bereit sei.

 

Pscheida, Daniela: Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert. Transkript-Verl., 2010. 522 S., € 29,80 [D], 30.70 [A],  sFr 50.70 ; ISBN 978-3-8376-1561-6