Nicht das "Ende der Geschichte" sei angesagt, sondern eine bewegte Phase der Welt-Neuordnung mit   Chancen und Risiken zugleich, so die Ausgangsthese des Journalistenpaares Wright/McManus von der" Los Angeles Times ", das zehn Monate lang die Welt bereiste, um den Trends der neuen Ära nach dem Kalten Krieg nachzuspüren. Ihr Szenario: Die bipolare Welt des Kalten Krieges wird abgelöst von einer multipolaren mit mehreren Machtzentren. Der bestimmende Machtfaktor verlagert sich von der militärischen Stärke bzw. geographischen Größe zur Wirtschaftskraft. Es entstehen neue Wirtschaftsblöcke. Der West-West-Konflikt, als Handelskrieg zwischen den USA, Japan und der neuen Wirtschaftsmacht Europa ausgetragen, tritt an die Oberfläche. Darüber läuft der Nord-Süd-Konflikt Gefahr, vergessen zu werden. Die Rückwirkungen werden auch wir zu spüren bekommen: In Gestalt gewaltiger Wanderungsbewegungen nicht nur innerhalb der Dritten Welt, wo die massive Landflucht zur Ausuferung der städtischen Metropolen führt Städte wie Kairo, Lima oder Mexico City sind bereits am Rande der Regierbarkeit -, sondern auch Richtung reicher Zentren des Nordens. Chancen sehen die Autoren in der Entideologisierung der Welt, in der Entstehung neuer Demokratien nicht nur in den ehemals kommunistischen Ländern Osteuropas, sondern auch in Lateinamerika, in Afrika sowie in Asien, vor allem im Wachsen neuer Initiativen von unten (vornehmlich in der Dritten Welt), die beginnen, sich selbst zu organisieren ("informeller" Sektor) und - durch weltweiten Informationsaustausch bestärkt - ihre Grundrechte einfordern. Beeindruckend am Vorgehen der beiden Publizisten ist der weltumspannende Blick, der Stimmen aus allen Kontinenten - besonders auch aus der Dritten Welt zu Wort kommen lässt. Die Sicht und Interpretation bleibt indes sehr westlich oder amerikanisch; zumal die den Problemen zugrundeliegende Weltwirtschafts(un)ordnung und unser überzogener Lebensstil sowie unsere Rüstungsetats nicht hinterfragt werden. H. H.

Wright, Robin; McManus, Doyle: Aufstand im globalen Dorf. Auf der Suche nach der neuen Weltordnung. Düsseldorf (u. a.): Econ-Verl., 1992. 336 S., DM 48, - / sFr 46, 10 / öS 374