Pflegekrise lässt sich definieren als Disharmonie zwischen Anforderung und gebotener Gegenleistung, zwischen Erfordernissen der modernen Medizin und den Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten in der heutigen (stationären) Krankenpflege. Perspektiven für eine zukünftige Lösung bieten die personelle Umstrukturierung der Pflegeaufgaben (Grundpflege, Behandlungspflege, administrative und hauswirtschaftliche Agenden) sowie methodische Erneuerung (ganzheitlich orientierte Pflege). Beides setzt Reformen in der Ausbildung und vor allem eine verstärkte Fortbildung voraus. Erleichterungen für das Pflegepersonal Im administrativen, aber auch im medizinisch-dokumentierenden Bereich erhofft man sich vom Computereinsatz. Diese Erwartung hat sich allerdings in der Praxis noch   nicht im vollen Ausmaß erfüllt. "Ganzheitliche Pflege" wird unterschiedlich beschrieben. Die von R. Lorenz Krause und U. Zell diskutierte Definition stellt den Patienten in seiner Körper-Geist-Seele-Einheit, die eine Irritation erfahren hat (Krankheit), in den Mittelpunkt. Aufgabe der Pflege ist es nach diesem Modell vornehmlich, die eigenen physischen und psychischen Heilkräfte des Patienten zu aktivieren. Für die entsprechende Fortbildung müssten adäquate Institutionen geschaffen werden. Die Weiterbildung soll auch darauf abzielen, den Weg des Pflegepersonals zum medizinisch-akademischen Status durchlässiger zu machen, um die gesamte, vergleichsweise starre Hierarchie unserer Krankenhäuser zu bewegen. In der ehemaligen DDR gab es dafür Vorbilder, aber diese Modelle wiesen in verschiedenen Bereichen humanitäre und strukturelle Schwächen auf. Es ist allerdings zu befürchten, dass sich die Pflegekrise in absehbarer Zeit nicht entschärfen wird, denn die Mehrzahl der deutschen Kliniken nimmt für sich in Anspruch, die neuen Wege längst beschritten zu haben. S. Sch.

Auf dem Weg aus der Pflegekrise? Hrsg. v. d. Prognos AG. Neue Ideen und Lösungsansätze in der Krankenpflege. Berlin: ed. sigma, 1992. 2385., DM 36,- / sFr 30,50 / ÖS 280,80