1999 wurde leaks.org ins Leben gerufen und 2006 schließlich Wikileaks. Die Plattform enthüllte Details über die Folterpraktiken im US-Gefängis Guantànamo, über die Verklappung von niederländischem Giftmüll vor Afrika und über den Bankrott isländischer Banken. In Island formulierten Assange und andere Wikileaks-Aktivisten sogar gemeinsam mit einigen Abgeordneten das neue Gesetz zur Informationsfreiheit, das später vom Parlament in Reykjavik angenommen wurde. Besonders ausführlich widmet sich der Film den schockierenden Militärvideos „Collateral Murder“, die belegen, wie das US-Militär im Irak gegen Zivilisten vorging. Ein Helikopter schwebt über einem Platz in Bagdad, der von einer kleinen Menschengruppe überquert wird. Die amerikanischen Soldaten meinen, Aufständische zu sehen, bewaffnet mit Gewehren und einer Bazooka. Einer meldet Schüsse. Die Helikopter-Besatzung fordert eine Einsatzerlaubnis an. „Request permission to engage“, heißt das im Militärjargon. Dann wird das Feuer eröffnet. Die bislang geheim gehaltenen Aufnahmen zeigen diesen Angriff vom 12. Juli 2007, bei dem mehrere unschuldige Zivilisten, darunter der Reuters-Photograph Namir Noor-Eldin, getötet wurden.

 

Der Gründer von WikiLeaks wird im Film als Genie porträtiert, das mit seiner Arroganz seine Umgebung und die engsten Mitarbeiter vor den Kopf stößt. Etwas wehleidig kommentiert von Domscheit-Berg (siehe „Inside Wikileaks“), versucht dieser die Widersprüchlichkeit der undurchsichtigen und auf Assange ausgerichteten Organisationsstrukturen zu offenbaren. Auch aus den Redaktionen von „New York Times“, „Guardian“ und SPIEGEL gibt es mittlerweile Berichte über die anstrengende und von Misstrauen geprägte Kooperation der beiden. Der Film greift diese Berichte auf und SPIEGEL-Redakteur Holger Stark berichtet, wie sehr Assange sich seiner eigenen Wirkung bewusst sei und sich zu inszenieren verstehe. Domscheit-Berg wird aber auch nicht müde, das bevorstehende Ende von WikiLeaks zu verkünden und auf seine neue Plattform „OpenLeaks“ hinzuweisen, die er auf dem Wirtschaftsforum in Davos vorgestellt hat. Diese Site soll als Briefkasten für geheime Informationen dienen, die anonymisiert an Kooperationspartner durchgereicht werden. Es darf bezweifelt werden, ob sich noch viele finden, die ihre Geheimnisse Assange oder Domscheit-Berg, der sich ganz als braver, sympathischer Aufklärer präsentiert, anvertrauen. Ob WikiLeaks künftig noch eine Rolle spielen wird – immerhin hat Assange mehrfach erklärt, weitere brisante Daten einer US-Großbank zu besitzen – bleibt offen.

 

Weltmacht WikiLeaks? Krieg im Netz. ARD-Dokumenation, 9. 2. 2011

 

(Nachzusehen unter kino.to/Stream/Weltmacht_WikiLeaks-Krieg_im_Netz.html)