Urbane Zentren sind von der Komplexität und Dynamik des gesellschaftlichen Wandels in besonderem Maße betroffen. Umso wichtiger ist es, mögliche Zukunftspfade auszuloten, sie auf ihre Wahrscheinlichkeit und Wünschbarkeit hin zu überprüfen und daraus Strategien einer zukunftstauglichen Entwicklung abzuleiten. Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat der Gemeinderat der Stadt Linz im Jahr 2001 einen breit angelegten Szenario-Prozess initiiert, in den an die 100 Personen aus Politik und Verwaltung ebenso eingebunden waren wie VertreterInnen wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Interessensgruppen, und dessen (Zwischen)Ergebnisse seit kurzem vorliegen. Unter der methodisch-konzeptionellen Begleitung des „Ars Electronica Center“, Linz (Projektverantwortlich: Christa Schneebauer) und von z-punkt (Karlheinz Steinmüller und Klaus Burmeister zeichneten für das „Setting“ verantwortlich) wurden, begleitet auch vom Verfasser dieser Zeilen, vier Szenarien entwickelt. Jedes dieser „Zukunftsbilder“ basiert auf einer „Leitidee“, von der ausgehend für die oö. Landeshauptstadt und ihre Umgebung mögliche „Zukünfte“ skizziert wurden. Jedem der Szenarien wurden „Trends und Schlüsselfaktoren“ - etwa demografischer Wandel, Individualisierung, wachsendes Mobilitätsbedürfnis, die Zunahme „atypischer Beschäftigungsverhältnisse oder „Soft facts“ - zu Grunde gelegt, so dass jeweils Potenziale und Risiken benannt sind. Das Szenario „Kooperation und Partizipation“ setzt im Verbund mit den Umlandgemeinden v. a. auf die Entwicklung von Freizeitangeboten und Erholungsräumen, verweist jedoch zugleich auf die aus der wirtschaftlichen Dynamik resultierenden Gegentendenzen. „Geteilte Wissensgesellschaft“ charakterisiert eine Stadt, in der Ausbildungund Forschung massiv gefördert werden. Soziale Verwerfungen (Stichwort: „Zwei-Drittel- Gesellschaft“) werden dabei als Negativseite erkannt. „Konzentration auf den Kern“ fokussiert auch in Anbetracht knapper öffentlicher Ressourcen „auf die Garantie der Daseinsvorsorge und konzentriert sich auf die Steuerung von Angeboten sowie auf Qualitätssicherung dort, wo Marktmechanismen versagen“. „Neue Werte im urbanen Raum“, das vierte Szenario, setzt auf großstädtisches Flair und ein „Multi-Kulti- Klima“, das durch ambitionierte Architektur und großzügige Verkehrslösungen eine Metropole mit mehreren städtischen Zentren schafft. Davon absehend, dass die finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten bis auf weiteres begrenzt sein dürften, wird das Beharren auf „traditionellen Kernkompetenzen“ als Risikofaktor dieses Szenarios benannt. W. Sp.

Unsere Zukunft: Linz 21. Zukunftsszenarien für die Landeshauptstadt Linz. Hrsg. v. Magistrat Linz. 2004. 77 S.