Der Zukunftsforscher und Trendexperte Matthias Horx, Gründer des „Zukunftsinstituts“ (www.zukunftsinstitut.de), verspricht diesmal nichts weniger als das „Ende der Ausbeutung“. Uns beschäftigt natürlich die Frage, in Abwandlung eines Werbespruchs, ob auch drinnen ist, was vorne draufsteht. Jedenfalls zeigt uns Horx den Weg von der „New Economy“ zur „Next Economy“, will heißen, den Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensökonomie. Der Crash der neuen Märkte, das Verschwinden nicht ausgereifter „dot.coms“ ist für ihn Beleg für das Phänomen des Wandels zur wissensbasierten Ökonomie. Am Ende dieser Entwicklung steht der „smarte“ Rohstoff des Wissens im Mittelpunkt des Ökonomischen, und dann, so Horx, wird auch der Wettbewerb mit einer sozialen, schöpferischen und menschlichen Komponente versehen sein. Gerne möchte man’s ja glauben, doch bleibt der Autor fatalerweise den zwingenden Beweis für seine so schöne These schuldig.


Konsequenter Weise kritisiert Horx die „Angstmache“ vor der „Globalisierungsfalle“ und der „Industriellen Arbeitslosigkeit“. Bereits heute würden nur mehr 20% der Menschen für die weltweite Produktion gebraucht. Für Horx laufen alle Trends im Bereich Arbeit in die entgegengesetzte Richtung: Nicht Arbeitsknappheit wird unser Zukunftsproblem, sondern eher das Gegenteil. Die Zukunft wird geprägt sein von der „verzweifelten Suche nach Leuten, die es können und wollen“ (S. 41). Massenarbeitslosigkeit sieht er lediglich als Phänomen des Übergangs bzw. etwas zynisch als „Produkt mangelnder Flexibilität“. Hinzu kommt eine Verknappung des Angebots an Arbeitskräften um bis zu 30% in den nächsten Jahren durch Geburtenrückgänge. Deshalb ist im 21. Jahrhundert das Humankapital der wichtigste Produktionsfaktor. Der „War for Talents“ (vgl. dazu PZ 2/2001*127) steht dann im Mittelpunkt des Personalmanagements. Nicht zuletzt berühmt geworden durch griffige Schlagwörter, enttäuscht uns der Zukunftsforscher auch diesmal nicht. Die drei Rs des Talentismus lauten: „Recruitment“ (Rekrutierungspolitik), „Retention“ (das Halten der Mitarbieter) und „Resilience“ (Stressmanagement).


In der neuen Arbeitsgesellschaft wird der ideale Mitarbeiter berufliche und kreative Fähigkeiten genauso benötigen wie soziale Talente. Dieser „neue“ Arbeitnehmer wird extrem flexibel und in einer Synthese aus Selbstverwirklichung und Arbeit zu finden sein – vorausgesetzt alle „Arbeitnehmer“ sind diesen Anforderungen gewachsen. Wenn nicht, dann haben Sie eben Pech gehabt und finden sich als „unflexibel“ freigesetzt auf der Straße wieder.


„Multiplizität“ oder „Diversity“, die Vielfalt von Lebensmodellen, Generationen und durchlässigere Grenzen von Armut und Reichtum sind schließlich für Horx die Mega-Mega-Trends schlechthin. Die Zukunft gehört dem „Glokalismus“, der globalen Vielfaltsgesellschaft. „In der Welt der Wissensgesellschaft werden sich diejenigen am besten zurechtfinden, für die der Bruch zwischen den örtlichen und ortlosen psychischen Dimensionen keinen unlösbaren Konflikt darstellt.“ (S. 179) Die wichtigste politische Aufgabe der nächsten Jahrzehnte wird die Errichtung funktionsfähiger und demokratischer supranationaler Systeme und „die Inwertsetzung der Lebensqualitäten“ sein. Die so verstandene Neue Ökonomie handelt letztlich, so Horx, von dem Verspechen, „dass wir Wohlstand damit erzeugen können, dass wir die Werte leben, die uns am Herzen liegen“ (S. 197). Das klingt gut, ob sich der künftige Kapitalismus daran hält, bleibt abzuwarten, denn so vernünftig, wie uns hier versprochen wird, gebärdet sich der Markt ja heute ganz und gar nicht. A. A.

 

Bei Amazon kaufenHorx, Matthias: Smart Capitalism. Das Ende der Ausbeutung. Frankfurt/M. Eichborn, 2001. 202 S., DM 44,- / sFr 41,- / öS 321,-