„Plenitude“ – zu deutsch „Fülle“ – nennt die Soziologin am Boston College Juliet Schor ihr neues Buch, das der neuen Wirtschaft wirklichen Wohlstands nachspürt. Fülle basiert dabei auf vier Prinzipien: Ersten sollen Produktivitätszuwächse für eine Ausweitung der Freizeit und nicht zur Steigerung der Produktion genutzt werden. Dies erlaube es, die Nachfrage graduell zu reduzieren und das Wachstum zu verlangsamen. Zweitens sollte Arbeitszeit, die durch kürzere Arbeitstage in der herkömmlichen Wirtschaft frei wird, für den Aufbau überschaubarer und umweltfreundlicher Strukturen zur Produktion von Nahrung, Energie, Wohnraum und auch von Industrieprodukten eingesetzt werden. Schor verweist hier auf die „High-Tech-Eigenproduktion“ im „New-Work-Konzept“ des Philosophen Fritjof Bergmann. Drittens sollte die Konsumnachfrage durch die Wiederverwendung von Gütern und die Verlängerung deren Lebenszyklus reduziert werden. Viertens sollte die neu verfügbare Zeit genutzt werden, um den sozialen Zusammenhalt durch eine neue ökonomische Unabhängigkeit zu stärken. Schor zeigt in ihrem Buch auf, dass Veränderungen dieser Art (auch in den USA) begonnen haben und für eine wachsende Zahl von Menschen an Attraktivität gewinnen. H. H.

 

Schor, Juliet: Plenitude. The New Economics of True Wealth. New York: Penguin Press, 2010. 272 S., USD 17,13 ; ISBN 978-1-59420-254-4