Innovationen prägen die wirtschaftliche Entwicklung; sie stehen daher auch im Mittelpunkt bei der Suche nach einem nachhaltigen Entwicklungspfad. Welche Voraussetzungen müssen aber erfüllt sein, dass durch Innovationen ein Wechsel auf einen solchen Pfad möglich wird und was kann die (Wirtschafts-)Politik tun, um diese Voraussetzungen im Zeitalter der Globalisierung des Wirtschaftens herzustellen?

Diese Frage ist zunächst von ökonomisch-theoretischem Interesse, gilt es doch, die ökonomischen Zusammenhänge zwischen Innovationen, der Gestaltung staatlicher Institutionen, internationaler Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaftswachstum und Ökologisierung des Wirtschaftens zu verstehen. Die unternehmerischen Anreize für ökologische Innovationen sind in der Regel gering, weil der Innovator nicht verhindern kann, dass Nachahmer von seiner Innovation profitieren. Zudem steht ein neues Produkt oftmals in Preiskonkurrenz zu „alten“ Produkten, sodass innovationsfreudige Unternehmen (ökologische Vorreiter) keinen Preisvorteil lukrieren können. So sind die von den Unternehmen erzielten Gewinne im geltenden Wachstumsmodell (noch?) groß genug, um einen tiefgreifenden Wechsel der Innovationstätigkeit hin zu einem nachhaltigen Entwicklungspfad wenig attraktiv erscheinen zu lassen. Durch die Verknüpfung von neuerer ökonomischer Wachstumstheorie, die die Bedeutung von Wissen für die wirtschaftliche Entwicklung hervorhebt, mit dem institutionenökonomischen Konzept des „Nationalen Innovationssystems“ loten die Autoren die Möglichkeiten der nationalen Wirtschaftspolitik aus, auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad zu wechseln.

Im ausführlichen empirischen Teil des Buches werden dazu die maßgeblichen Institutionen des deutschen Innovationssystems dargestellt und der Prozess des „Greenings“  dieses Systems untersucht. Die deutsche Wirtschaft verfügt zwar über eine vergleichsweise große und international erfolgreiche Umwelt(technik)industrie, allerdings bevorzugt das System Innovationen auf bekannten Pfaden gegenüber einem mit tiefgreifenden Veränderungen verbundenen „strategischen Greening“, das aber für einen Wechsel zu einem nachhaltigen Entwicklungspfad erforderlich wäre. Dies wird auch anhand von zwei Fallstudien aus der Automobilindustrie demonstriert (Einführung des Abgaskatalysators und Entwicklung der Brennstoffzelle als alternativer Automobilantrieb), in denen die Einflüsse durch die internationale Wettbewerbssituation auf die Innovationsentscheidungen von Unternehmen herausgearbeitet werden.

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Alles in allem ein inhaltlich sehr gut gelungenes Werk; der Gesamteindruck wird nur durch ein etwas oberflächliches Lektorat getrübt. W. Sch.

Bei Amazon kaufenHübner, Kurt; Nill, Jan: Nachhaltigkeit als Innovationsmotor. Herausforderungen für das deutsche Innovationssystem. Fachhochschule für Wirtschaft. Berlin: ed. sigma, 2001, 269 S., DM 34,80 / sFr 32,50 / öS 254,-