1985 haben Arno Rolf und Herbert Kubicek das Buch „Mikropolis - Mit Computernetzen in die Informationsgesellschaft“ veröffentlicht. Über zwanzig Jahre später legt nun Arno Rolf erneut ein Buch zum Thema Computer, Digitalisierung und Internet in der sogenannten globalen Wissensgesellschaft vor. „Mikropolis“ verweist dabei auf die vielfältigen und komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Einsatz von Informationstechnik (mikro) und sozialen-organisatorischen (polis) Zusammenhängen. Eine seiner Thesen lautet: Digitalisierung und Internet kann uns auf den Pfad verschärfter Ökonomisierung vieler Lebensbereiche (Wissensökonomie) führen, oder aber zu mehr Selbstbestimmung und Entkommerzialisierung (Wissensgesellschaft) beitragen. Für beide Optionen liefert Rolf Belege und hält selbst die Zukunft grundsätzlich für offen, es komme eben darauf an, was wir daraus machen.

 

Im vorliegenden Band überzeugt zunächst der Vorschlag – in Anlehnung an den Philosophen Jürgen Mittelstraß –, das so genannte Verfügungswissen (Wissen um Mittel und Methoden) um Orientierungswissen (Einbindung spezialisierten Wissens in seine Kontexte) zu erweitern. Orientierung in Zeiten grenzenloser Information ist, wie wir noch sehen werden, eine nicht nur von Rolf empfohlene Fertigkeit. Weiters ist die Einordnung dessen, was aktuell unter „Social Networking“ bzw. „Web 2.0“ diskutiert wird, für unsere Zusammenhänge interessant. Web 2.0 steht für aktive Teilnahme und dies ist wiederum die Voraussetzung zum „Social Networking“ (S. 69). Hier beschäftigt den Autor die Frage, ob Web 2.0 zur Entwicklung einer partizipativen Wissensgesellschaft beitragen könne. Die bekannteste Form des Web 2.0 sind Weblogs (Internet-Tagebücher oder interaktive Beiträge zu unterschiedlichen Themen), aber auch so genannte Wikis (Sammlungen zu Stichworten bzw. Themen). Norbert Bolz nennt es „das eigentümliche, breitgestreute, selbstkontrollierte Netzwerkwissen.“ (zit. nach…., S. 68f.) Beispiele der Kommerzialisierung des Web 2.0 sieht der Autor v. a. in den mehr als 1000 Firmenlogs (z. B. top100business-blogs.de), die Communities (für ein Produkt bzw. ein Unternehmen) aufbauen wollen, um auf diese Weise Kundenbindung zu schaffen. Das größte Veränderungspotenzial in dieser Hinsicht wird aber in der Medienbranche (siehe auch den Abschnitt „Die Zukunft des Journalismus“) erwartet. Spekulationen gehen dahin, dass in wenigen Jahren mehr als die Hälfte der Medieninhalte weltweit von Privatleuten in Weblogs oder durch Bürger-Journalisten produziert werden, also durch Nicht-professionelle Akteure, die über ihre Erlebnisse, Erfahrungen oder Visionen berichten. Diese Entwicklung ist in vollem Gang: Die New York Times lesen täglich 4,9 Millionen, ihr Online-Portal nutzen heute bereits13,4 Millionen Menschen.

 

Eine neue Dimension eröffnet das wissenschaftliche Publizieren in „E-Journals“. Wissenschaftliche Zeitschriften erscheinen nur noch online. Verlage sind hier nicht mehr erforderlich. Ebenso wie R. B.Laughlin (Nr. xy) beschäftigt sich auch A. Rolf mit Problemen des Urheberrechts und Digital Right Managements (DRM). Immer geht es dabei um die Wechselwirkungen zwischen Informationstechnik, Menschen und Organisationen in der globalen Gesellschaft. Schließlich wird die Informationstechnik in Zusammenhang mit einigen relevanten gesellschaftlichen Feldern betrachtet. Dabei stellt der Autor fest, dass ein Automatismus zwischen Internet-Nutzung und einem ökologischen Entwicklungspfad nicht zu erkennen ist. Zu beobachten seien hingegen Transaktionskostensenkungen und Zeitgewinne für die Unternehmen durch Nutzung des Internets, die für zusätzliche Aktivitäten genutzt werden können. A. A.

 

Rolf, Arno: Mikropolis 2010. Menschen, Computer, Internet in der globalen Gesellschaft. Metropolis-Verl., 2008. 216 S., € 19,80 [D], 20,40 [A], sFr 34,50

 

ISBN 978-3-89518-645-5