Wenig optimistisch hinsichtlich Bewältigung der Finanzkrisen ist der Wirtschaftsdidaktiker Günter Wierichs, der ein „kritisches Finanzlexikon“ verfasst hat. In mehr als hundert Kurzkapiteln – von A wie Aktienmarkt oder Außerbilanzielle Geschäfte über M wie Markt oder Misstrauen bis hin zu Z wie Zertifikate oder Zinseszins – werden darin Fachbegriffe aus dem Finanzwesen, die vielfältigen Finanzprodukte sowie Phänomene und Aspekte der Finanz- und Wirtschaftspolitik anschaulich und gut verständlich erklärt. Die im finanziellen Sektor entstehenden Vermögenszuwächse seien überwiegend virtueller Natur, so der Experte, denn während die Weltwirtschaftsleistung derzeit jährlich etwa 70 Billionen US-Dollar betrage, umfasse das Weltvermögen etwa 200 Billionen US-Dollar. Der Finanzindustrie sei es gelungen, eine „gigantische Spekulationsmaschinerie“ anzuwerfen, „die allen Unkenrufen zum Trotz immer noch mit Hochdruck läuft“ (S. 10). Die Kapitalmärkte seien zu Wettbüros und die Banken zu Spielbanken verkommen. Wierichs kritisiert die nach wie vor neoliberal gefärbte Politik, die für weiterhin wachsende Privatvermögen sowie für eine aufrechtbleibende Rendite- und Spekulationsfixierung des Bankensektors sorge. Maßnahmen wie die von 11 EU-Staaten anvisierte Tobin-Steuer sowie die Begrenzung der Boni für Banker würden aufgrund der Lobbys aus der Finanzwelt immer wieder verwässert. Hans Holzinger

Wierichs, Günter: Das kritische Finanzlexikon. Frankfurt/M.: Westend, 2013. 382 S., € 16,99 [D], 17,50 [A], sFr 22,90

ISBN 978-3-86489-026-0