Bewusst provokant ist der Titel eines Buches von Ralf Fücks, Vorstandsvorsitzender der Heinrich-Böll-Stiftung und als solcher Vordenker der deutschen Grünen gewählt. „Intelligent wachsen“ erteilt den WachstumsskeptikerInnen eine Absage. Es gehe nicht um Abkehr von Wirtschaftswachstum, sondern um dessen Richtungsänderung, so der Tenor des Autors, der freilich die Defizite und Sackgassen des gegenwärtigen Turbo-Kapitalismus sieht, aber auch auf die Innovationspotenziale unseres Wirtschaftssystems setzt. Fücks plädiert – wie viele andere auch – für eine andere Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik sowie für eine Energiewende, zugleich hofft er auch auf die Chemiewende – neuen Werkstoffen, der sogenannten Sanften Chemie und der Bionik sind eigene Kapitel gewidmet. Und irgendwie erscheint die Abgrenzung von AnhängerInnen einer Suffizienzorientierung, als einer deren profundester Vertreter wohl Niko Paech zählt, eher künstlich. Fücks möchte das Fortschrittsdenken nicht den alten Konzernstrategen überlassen, sondern für die Ökologie nutzbar machen. Sein ungemein faktenreiches Buch, in das selbstverständlich viel Expertise der Heinrich-Böll-Stiftung einfließt, benennt durchaus die anstehenden Probleme und Herausforderungen und ist damit der Debatte über Postwachstum näher als sein Titel suggeriert und sich der Autor vielleicht selbst eingestehen mag.

Hans Holzinger

Fücks, Ralf: Intelligent wachsen. Die grüne Revolution. München: Hanser, 2013. 362 S., € 22,90 [D], 23,60 [A], sFr 27,50 ISBN 978-3-446-43484-4

„Die gegenwärtige Krise ist keine Endzeit der technisch-wissenschaftlichen Zivilisation, sondern eine Zeit des Übergangs vom fossilen Industriezeitalter zu einer ökologischen Produktionsweise, deren Konturen bereits am Horizont auftauchen.“ (Fücks S. 14)