In Fortführung einer im August des Vorjahres von der Stadt Salzburg in Auftrag gegebenen Literaturstudie (s. PZ 97/4*449) hat sich Hans Holzinger weiterer kontroversiell diskutierter Aspekte des nach wie vor brisanten Themas Mobilfunk angenommen. Wie eingangs dargestellt, sind sowohl die BRD (mit 13%) als auch Österreich (19 %) in puncto Handydichte im EU-Vergleich als stark expandierende Märkte einzustufen. Die Anbieter - in Österreich demnächst 4 - führen so v. a. den Versorgungsauftrag ins Treffen, dem, wie besorgte Bürgerinnen befürchten, das Vorsorgeprinzip geopfert wird.

Aktuelle Forschungsergebnisse - u. a. zu (vermuteten?) Zusammenhängen mit Schlafstörungen, Hypertonie, Kopfschmerzen, Veränderungen der Melatoninproduktion und der Tumorbildung - werden im Für und Wider der Auffassungen präsentiert, wobei (in Kapitel 3) anhand ausgewählter Beispiele auch auf wiederholt nachgewiesene Gesundheitsbeschwerden im Umfeld (v. a. älterer) Rundfunk- und Fernsehsender eingegangen wird. Wenngleich festzustellen ist, daß die Forschung im Hinblick auf mögliche Risiken elektromagnetischer Strahlung mit deren Einsatz auf breiter Front nicht schrittzuhalten vermochte, so kommt der Verfasser doch zu der Ansicht, daß das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigung oder gar gravierender Schädigung zumindest hinsichtlich der Sendeanlagen zuletzt doch deutlich zu hoch veranschlagt wurde. Weitere (Langzeit)Untersuchungen seien unabdingbar. Neben der Diskussion derzeit geltender Strahlungsgrenzwerte wird (in Kapitel 4) vor allem dem rechtlichen und demokratiepolitischen Aspekt der Errichtung von Mobilfunksendeanlagen breiter Raum gegeben. Besondere Erwähnung verdient dabei das "Salzburger Modell": Hier gelang es im Verlauf des Jahres 1997 nach einer Reihe von Bürgerinnenprotesten, die auch auf breites Echo der Medien stießen, von Seiten des Gesetzgebers einen um ein Vielfaches unter den bundesweit gültigen Grenzwerten liegenden "freiwilligen Vorsorgewert" zu vereinbaren, der von allen Beteiligten (der Verwaltung, den Betreibern und den Bürgerinitiativen) als verbindlich angesehen wird. Frühzeitige Information und die gleichberechtigte Einbindung aller am Thema Interessierten kann, so zeigen die Erfahrungen, wesentlich zu frühzeitiger Problemerkennung und konstruktiver -bewältigung beitragen. Dazu leistet auch dieser Band, der im abschließenden Teil Ratgeber zum Thema Elektrosmog vorstellt und im Anhang wichtige Adressen auflistet, ebenfalls einen wertvollen Beitrag .

Aufgrund der gleichermaßen fundierten wie ausgewogenen Darstellung, die den Anliegen, Interessen und Sorgen aller Seiten Augenmerk schenkt, ist die Darstellung Netzbetreibern. Handybenutzern und -kritikern gleichermaßen zu empfehlen. (Teil 1 und 2 der Studie sind gemeinsam zum Preis von DM/sFr 29,/ ÖS 200,- erhältlich. Mengenrabatt auf Anfrage). Der Verfasser steht für nähere Auskünfte gerne zur Verfügung.

W Sp.

Holzinger, Hans: Gesundheits-Risiko Mobilfunk? Bd. 2. Eine Literaturstudie der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Salzburg, 1998.85 S., DM / sFr 18,/ ÖS 120,-