Spätestens seit den “Grenzen des Wachstums” wissen wir, daß es für unseren Lebensraum Erde fünf vor zwölf ist. Der Autor nimmt eine scheinbar geringfügige Zeitkorrektur vor und signalisiert damit, daß es eigentlich für ein Reagieren längst zu spät und das Desaster unausweichlich ist. Ursachen für den unaufhaltsamen Crash sieht Lauterburg gleichermaßen in Ökologie und Ökonomie, im Politischen im allgemeinen und in sozialen Problemen im besonderen. Der Zusammenbruch, so der Autor im Brustton der Überzeugung, betrifft alle vom Menschen installierten und beeinflußten Systeme und inkludiert auch diesen selbst. Die Wurzeln dieser Entwicklung liegen, so der Verfasser, weit zurück in der Geschichte und haben vor allem seit etwa 100 Jahren einen katastrophalen Wachstumsglauben mit im wesentlich bekannten Auswirkungen zur Folge. Alles und (fast) alle sieht Lauterburg bedroht, was sich auch darin zeige, daß bewährte gesellschaftliche Strukturen in Auflösung begriffen seien und der Bankrott demokratischer Staatsgefüge längst ausgemachte Sache sei. Zwar seien die Menschen bemüht, die vielfältigen Krisen in den Griff zu bekommen, doch sei auch mit “Solidarität”, “Vernunft” und “Menschlichkeit” der totale Zusammenbruch nicht zu verhindern, da es diese Kategorien im Grunde niemals gegeben habe.

Die einzige Chance, die der Verfasser für einzelne Individuen sieht, sind Nischen, in denen es manchem auf Zeit gelingen mag zu überleben. Voraussetzung allerdings seien “Schutzräume”, die völlige Autarkie und Abgeschlossenheit gegenüber dem offenen Chaos des Niedergangs denen ermöglichen, die u. a. Messer, Feuerstein und Saatgut bereithalten, um einsam ein ungewisses Dasein zu fristen. Das Resümee eines Autors, der offensichtlich selbst kein allzu großes Vertrauen in seine Überlebensstrategie hat, ist gleichermaßen zynisch wie resignierend: “Wir müssen uns um das Leben auf diesem Planeten keine Sorgen machen, und um das Verschwinden des Menschen darauf, muß der blaue Planet nicht weinen.” S. Sch.

Lauterburg, Christoph: Fünf nach zwölf. Der globale Crash und die Zukunft des Lebens. Frankfurt/M. (u.a.): Campus, 1998. 313 S., DM 39,80 / sFr 38,80 / öS 291,-